Mykorrhiza - biologische Dünger mit Symbiose-Effekt

Pflanzen düngenAlle (Garten-) Welt spricht von Mykorrhiza - erfahren Sie hier, was sich hinter dem geheimnisvollen Begriff verbirgt und ob Mykorrhiza Ihren Pflanzen einen Nutzen bringen kann. Was sind eigentlich Mykorrhiza?

Mykorrhizen sind Pilze, nützliche Bodenpilze, oder



genauer gesagt die Wurzeln dieser Bodenpilze, die meist winzige Pilzgeflechte entwickeln. Diese winzigen Sporen können unter die Gartenerde gemischt werden, wo sie dann ein feines Geflecht entwickeln, das sich um die Wurzeln der Pflanzen legt, die in dieser Gartenerde wachsen. Diese Umhüllung wirkt wie eine Art Nährstoffspeicher für die Pflanze, das Geflecht saugt aktiv Wasser und Nährstoffe in die Nähe der Wurzeln, die in diesem Symbiosesystem nicht direkt an die Pflanze gelangen, sondern von dem Mykorrhizapilz "gepuffert" werden.

Dadurch werden die von der Mykorrhiza besiedelten Wurzeln unabhängig von jedem Wetter gleichmäßig und kontinuierlich versorgt. Die Folge ist, dass gerade Pflanzen, die häufig unter Wurzelproblemen leiden, sehr viel stabilere Wurzeln entwickeln können und so deutlich gesünder wachsen.


Einfach einen Mykorrhiza einsetzen bringt wenig

Wenn Ihnen erzählt wird, dass Sie einfach nur Mykorrhiza in den Boden zu ihren Pflanzen geben müssen, um diesen etwas Gutes zu tun, sollten Sie das besser nicht einfach so unkritisch aufnehmen. Es gibt nämlich grundsätzlich verschiedene Sorten von Mykorrhiza, und nicht jeder Mykorrhiza hilft jeder Pflanze, drei große Gruppen werden traditionell unterschieden:
  1. Die Ektomykorrhiza besiedeln die Bäume in unseren Wäldern, sie sind typisch für alle Gehölze, die zu den Familien der Birkengewächse, Buchengewächse, Kieferngewächse, Weidengewächse und Rosengewächse gehören. Ektomykorrhiza werden schon seit langer Zeit erfolgreich in der Forstwirtschaft eingesetzt, um kränkelnde Bäume, die in ungünstigen Lagen wachsen, wieder gesund zu machen. Im Garten können sie helfen, Bäumen und Nadelhölzern, wie Buchen und Eichen, Birken, Tannen und Lerchen zu besserem Wachstum zu verhelfen. Weil die Ektomykorrhiza u. a. von unseren ganz normalen Speise- oder Giftpilzen gebildet werden, ist es übrigens durchaus möglich, dass Sie sich diese Mykorrhiza selbst im Wald pflücken, wenn Sie sich entsprechend informieren.
  2. Die Pflanzenpartner der nächsten Gruppe, der Endomykorrhiza, sind überwiegend krautige Pflanzen. Von folgenden Pflanzenfamilien weiß man heute, dass ihre Arten fast immer mit einem Pilzpartner in Symbiose leben: Die Heidekrautgewächse (Erika und Co.), die Wintergrüngewächse (z. B. das seltene Moosauge) und die Orchideen. Als symbiotische Pilze treten hier gewöhnlich Ständerpilze aus der Ordnung der Pfifferlingsartigen auf, darunter auch anamorphe Formen, die bei vielen anderen Pflanzen Pilzkrankheiten auslösen. Bei den Orchideen sollen die entsprechenden Endomykorrhiza für deren Entwicklung zwingend erforderlich sein.
  3. Die Mykorrhiza, die für Gärten und Landwirtschaft am weitaus meisten gezüchtet und verkauft werden, gehören zu den arbuskulären Mykorrhiza. 
Diese arbuskulären Mykorrhizapilze oder kurz AM-Pilze sind die verbreitetsten und ältesten und häufigsten der Mykorrhiza-Pilze, man geht heute davon aus, dass mehr als 80 % aller Landpflanzen eine symbiotische Beziehung mit AM-Pilzen eingehen. Darunter sollen die meisten krautigen Pflanzen und die meisten Gehölze fallen, ebenso wie die Süßgräser, neben Getreide also auch Rasengräser und Bambus.

Diese AM-Pilze wurden aufgrund genetischer Studien gerade systematisch aus den Jochpilzen (Zygomycota) ausgegliedert und bilden nun die eigene Abteilung der Glomeromycota. Der bekannteste zur gärtnerischen Verwendung gezüchtete arbuskuläre Mykorrhiza ist der Glomus intraradices.

Welchen Pflanzen nutzen arbuskuläre Mykorrhiza wirklich?

Auch wenn das Anwendungsgebiet damit zunächst fast unbegrenzt erscheint, ist der sinnvolle Einsatz von Mykorrhiza eher noch ein Forschungsgebiet, bei dem man sich wohl am besten an den bisher verfügbaren Ergebnissen orientiert:

Im April 2006 legten zwei Forschungsinstitute im Rahmen des

Bundesprogramms Ökologischer Landbau ihren Schlussbericht zu einer Untersuchung von Substraten für die Jungpflanzenanzucht vor. Hier war u. a. untersucht worden, ob arbuskuläre Mykorrhiza im Verbund mit (vorher fast pilzfreiem) Kompost positive Wirkungen auf Nutzpflanzen entfalten. Das Ergebnis im Überblick:
  • Die Forscher empfehlen einen Kompostanteil von bis zu 40 % für gärtnerische Kulturen
  • Erdbeeren, Kopfsalat, Pelargonie, Poinsettie und Porree konnten mit AM-Pilzen infiziert werden
  • Dadurch wurde Wachstum und Blühverhalten dieser Pflanzen verbessert
  • Die Gehalte an Kalium, Kupfer, Phosphor, Stickstoff und Zink konnten teilweise erhöht werden
  • Erbsen profitierten weniger, bei ihnen wurde jedoch die Wurzelkrankheit Pythium ultimum unterdrückt
  • Das Artenspektrum der AM-Pilze, die schon vorher in der Erde waren, wurde durch die Versuche kaum verändert
  • Von der Universität Basel gezüchtete AM-Pilzstämme konnten das Pflanzenwachstum stärker fördern als die kommerziellen Präparate
Im Ergebnis wurde der Einsatz von AM-Pilzen beim verwendeten fast pilzfreien Kompost als sinnvoll angesehen, vor allem bei Erdbeeren und Pelargonien.

Dass die ganze Sache mit den Mykorrhiza nicht so einfach ist, zeigt eine Doktorarbeit aus dem Jahr 2002, die den Einfluss eines arbuskulären Mykorrhizapilzes vom Stamm "Glomus intraradices" auf Ertrag und Stickstoff-, Phosphor- und Kalium-Gehalt bei verschiedenen Gewürzkräutern untersucht hat. Hier wurden Basilikum (Ocimum basilicum), Petersilie (Petroselinum crispum), Schnittlauch (Allium schoenoprasum) und Estragon (Artemisia dracunculus) mit und ohne Mykorrhiza, einmal mit mineralischem und einmal mit organischem Dünger kultiviert.

Bei der mineralischen Düngung wurden zwar mehr Wurzeln mit Mykorrhiza kolonisiert, bei Basilikum und Petersilie veränderten

sich mit der Mykorrhiza aber weder der Ertrag noch der Stickstoff-, Phosphor- oder Kaliumgehalt. Petersilie reagierte im Ertrag auf die Düngerform, aber nicht auf die Mykorrhiza. Beim Schnittlauch konnten die höchsten Kolonisierungsraten in den Wurzeln beobachtet werden, im Ertrag reagierte er aber ebenfalls praktisch nicht auf die Mykorrhiza. Estragon zeigte unklare und nicht nachvollziehbare Reaktionen auf die Mykorrhiza und die Düngerformen. Im Ergebnis wurde hier festgehalten, dass die Versuche die Erwartungen an die Mykorrhiza in Bezug auf eine Erhöhung des Ertrags nicht erfüllen konnten.

Die Beschaffung der arbuskulären Mykorrhiza

Seit der Handel, der den Bedarf des privaten Hausgärtners abdeckt, auf die Mykorrhiza aufmerksam geworden ist, werden Mykorrhizen von vielen Firmen gezüchtet und verkauft. Dabei ist nicht immer gesagt, dass der genau der Pilzstamm verwendet wird, der der jeweiligen Pflanze auch wirklich nutzt, wie die oben skizzierten Untersuchungen schon andeuten.

Laut einem Artikel in der schweizerischen Pilzzeitung "Tintling" (www.tintling.com, Ausgabe 1 aus dem Jahr 2000, S. 24 ff.) werden Mykorrhizen seit Mitte der 1980er Jahre überhaupt erst erforscht, die Zuordnung der Mykorrhizen zu jeweiligen Pilzart sei schwierig, Beschreibungen von Mykorrhizen (ähnlich den bekannten Beschreibungen von Pilz-Fruchtkörpern) ständen noch in den Anfängen. Damals kannte man gerade einmal 250 Mykorrhizaformen, bei einer (in großen Teilen unerforschten) Gesamtzahl von vermuteten 5 Millionen Pilzen noch nicht wirklich viel. Heute gibt es bereits in mehreren europäischen Ländern erste systematische Sammlungen der Mykorrhiza, eine davon betreibt die z. B. Forschungsanstalt Agroscope in Zürich (www.agroscope.ch), in solchen Sammlungen untersuchen nun die Forscher jeden einzelnen Mykorrhiza u. a. daraufhin, welche Arten mit welchen Pflanzen ein Nährstoffnetzwerk bilden.

Diese Arbeit ist wirklich noch ziemlich in ihren Anfängen, von den Händlern werden Ihnen jedoch die Mykorrhiza meist so angeboten, als wenn diese genau wüssten, was welcher Pilz macht. Hoffentlich ist das auch immer der Fall ...

Auch die Frische der Zucht und den fachgerechten Umgang mit den Pilzstämmen kommt es dann natürlich auch noch an - wenn Sie Mykorrhiza erwerben und einsetzen möchten, sollten Sie sich deshalb am besten an einen Fachmann wenden (der Ihnen in einer guten Fachgärtnerei sicher genannt werden kann), der Ihnen genau und mit Begründung sagen kann, welche Mykorrhiza für welche Pflanzen und aus welcher Bezugsquelle den Einsatz lohnen.

Mykorrhiza anwenden

Aber wenigstens die Anwendung ist ganz einfach, wenn Sie erst einmal den richtigen Pilzstamm gefunden haben: Sie mischen einfach 5 bis 10 Prozent des Mykorrhiza-angereicherten Substrats unter die Erde, die gerade benutzt oder bepflanzt werden soll. Für Topfpflanzen können Sie auch einen Löffel der gekauften Mykorrhiza auf die Erde streuen und dann etwas einarbeiten.

Andere Mykorrhiza für andere Pflanzen

Wie gesagt, die arbuskulären Mykorrhiza sind nur eine Gruppe der Mykorrhiza, für fast alle Bäume sind die Ektomykorrhiza zuständig, und die Heidekrautgewächse und die Orchideen profitieren von speziellen, nicht arbuskulären Endomykorrhiza.

Sie können demgemäß natürlich auch Ektomykorrhiza für Bäume und Bonsais erwerben, und besondere Endomykorrhiza für Ihre Orchideen. Aber auch hier gilt: Sie müssen schon sehr genau wissen, welchen Mykorrhiza Sie kaufen möchten, und einen Verkäufer finden, der Ihnen genau Auskunft darüber geben kann, welche Pilzstämme in seinem Produkt enthalten sind.

Wie funktioniert das mit den Mykorrhizen eigentlich?

Für alle, die es etwas genauer wissen möchten, wie die Symbiose von Pilz und Pflanze funktioniert, hier eine kurze Zusammenfassung: Der Mykorrhizapilz liefert der Pflanze Nährstoff und Wasser, als Gegenleistung bekommt er von der Pflanze einen Teil der Assimilate ab, die sie durch Photosynthese erzeugt, bis zu einem Viertel geht an den Pilz. Der hat als Mykorrhizapilz nämlich im Gegensatz zu anderen Bodenpilzen nicht die Enzyme, die er zum Abbau komplexer Kohlenhydrate braucht und muss sich deshalb von der Pflanze versorgen lassen.

Was der Mykorrhiza besser als die Pflanze kann, ist Mineralstoffe und Wasser aus dem Boden lösen, er verfügt meist über ein riesiges Pilzgeflecht. Er verbessert nebenbei auch noch oft die Stickstoffversorgung und Phosphatversorgung seiner "Wirte", bietet ihnen Schutz vor Wurzelschädlingen und hilft ihnen, auch einmal eine trockene Zeit zu überstehen - im Gegensatz zu Bankern, die langsam nicht mehr die Traute haben, diesen Spruch in den Mund zu nehmen, könnten Mykorrhiza und Pflanze also wirklich von einer Win-Win-Situation sprechen.

Die verschiedenen Mykorrhizen funktionieren alle ein wenig anders

Die Ektomykorrhiza entwickeln ein Pilzmycel, das sich wie ein dichter Mantel um die jungen Wurzelenden legt, die in diesen Bereichen dann anschwellen und keine Wurzelhaare mehr entwickelt. Außerdem wachsen Ektomykorrhiza in die Wurzelrinde hinein, wo sie nicht in die Wurzelzellen eindringen, sondern in den Räumen zwischen den Zellen ein Netzwerk anlegen, das einen Nährstoffaustausch zwischen Pilz und Pflanze ermöglicht. Die Pilzwurzeln übernehmen dabei die Aufgaben, die eigentlich die Wurzelhaare erfüllen würden, sie stellen bis tief in den Boden hinein eine gute Nährstoff- und Wasseraufnahme ihres Wirts sicher und schützen ihn vor Schädlingen.

Die Pilze, die als Partner die Ektomykorrhiza ausbilden, sind vor allem verschiedene Ständerpilze, zu denen auch unsere Röhrlinge wie Steinpilz oder Marone gehören, Agaricales, zu denen die Champignons gehören, und manchmal auch Schlauchpilze wie der Trüffel oder spezialisierte Becherlinge wie der Zedern-Sandborstling. Die meisten Ektomykorrhiza werden also von unseren ganz normalen Pilzen gestellt, die wir kennen und zum Essen sammeln, die jedoch in Wirklichkeit im Wald sehr viel umfangreichere Funktionen wahrnehmen als nur die Ausbildung eines profanen Fruchtkörpers.

Endomykorrhiza gehen ein wenig anders vor, ein Teil des Pilzwurzelgeflechts dringt hier direkt in die Zellen der Wurzelrinde des entsprechenden Pflanzenpartners ein. Dafür bilden die Endomykorrhiza kein die Wurzeln umgebendes Netz wie die Ektomykorrhiza. In der Zelle der Wurzelrinde entwickeln die Pilze nun eine Art Saugorgan zur Nährstoffaufnahme, mit dem sie Wasser und Nährstoffe an den Pflanzenpartner abgeben und Kohlenhydrate (Zucker) von ihm aufnehmen können.

Die arbuskulären Mykorrhiza sind eine besondere Form der Endomykorrhiza, eben die Form, die Arbuskeln bildet. Wie, Sie wissen nicht, was das ist? Das sind ganz besonders weit verzweigte und zarte Formen von Sporen (Hyphen), die Bäumchenform haben und sich innerhalb der Wurzelzellen entwickeln. Der größte Teil der Fäden durchwächst jedoch den Boden im Umfeld, um die Pflanze gut zu versorgen, wenn Forscher Mykorrhiza-Netze freilegen, zeigen sich riesige Verbundsysteme.

Fazit

Mykorrhiza sind echte Wunder der Natur, aber zum größten Teil noch viel zu wenig erforscht, um zum Nutzen ganz bestimmter Pflanzen eingesetzt zu werden. Wenn Sie einer bestimmten Pflanze nicht zu gesteigertem Ertrag verhelfen, brauchen Sie sich nicht zu grämen - Mykorrhizen tun auf jedem Fall dem Bodenleben gut, es wird sogar schon untersucht, ob sie später einmal den Mineraldünger ersetzen können, dessen Ressourcen im nächsten Jahrhundert erschöpft sein werden.
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Tipps für Schnellleser
Mykorrhiza - biologische Dünger mit Symbiose-Effekt

- Mykorrhizen sind nützliche Bodenpilze, die verschiedensten Pflanzen zu einer besseren Versorgung mit Wasser und Nährstoffen verhelfen
- Es gibt drei große Gruppen: Ektomykorrhiza, die Bäume versorgen, Endomykorrhiza vor allem für Heidekrautgewächse und Orchideen, und arbuskuläre Mykorrhiza
- Die dritte Gruppe wird auch AM-Pilze genannt und am häufigsten verkauft, sie gehen mit 80 % aller Landpflanzen symbiotische Beziehungen ein
- Wie genau Mykorrhiza eingesetzt werden können und welchen Pflanzen sie nutzen, ist jedoch noch lange nicht umfassend erforscht
- Wenn Sie käufliche Mykorrhiza einsetzen möchten, sollten Sie sich deshalb besser an einen Fachmann wenden, der ihnen Pilzstamm und Bezugsquelle nennen kann
- Die Anwendung der Mykorrhiza ist ganz einfach, sie werden zu dem auf der Packung angegebenen Prozentsatz unter die Erde gemischt
- Mykorrhiza werden umfassend erforscht, in absehbarer Zeit werden sicher Datenbanken verfügbar sein, auch der Einsatz als allgemeine Düngung wird erkundet
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