Beifuß, Artemisia vulgaris - Anbau und Pflege der Pflanze

BeifussKaum eine andere heimische Pflanze kommt so vielseitig zum Einsatz wie die Artemisia vulgaris. Bereits seit vielen Jahrhunderten wurde der Korbblütler deswegen in Bauern- und Klostergärten kultiviert. In der Heilkunde ist die Pflanze beispielsweise bei Krämpfen jeglicher Art, Wurmbefall, Epilepsie und Durchfall zum Einsatz gekommen. In der modernen Küche wird



aber auch heute immer noch seine appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkung bei fettreichen Speisen geschätzt. Die winterharte Pflanze ist dabei äußerst genügsam und der Pflegeaufwand gering.


Standort und Boden

Das traditionsreiche Gewächs zählt zu den einheimischen Wildpflanzen und wächst bevorzugt an trockenen und warmen Plätzen. Ein vollsonniger bis heller Standort im Halbschatten fördert die Widerstandsfähigkeit und das Wachstum der Pflanze. Genügend Sonnenlicht ist wichtig, damit sich die ätherischen Öle und das würzige Aroma des Doldenblütlers voll entfalten können. In der freien Natur ist Beifuß häufig an Wegrändern und auf Wiesen anzutreffen.

Besonders ertragreich wächst die Pflanze auf durchlässigen, kalkhaltigen und humusreichen Böden. Jedoch kommt das Gewächs auch mit einem trockenen und sandhaltigen Erdreich problemlos zurecht. Mischen Sie bei Bedarf etwas Lehm und Kompost unter magere Böden. Weitere Anforderungen an das Substrat werden nicht gestellt.

Gießen und Düngen

Beifuss im TopfBeifuß ist eine Pflanze, welche im Sommer durchaus über längere Zeit sich selbst überlassen werden kann. Gießen Sie nur mäßig am frühen Morgen oder Spätnachmittag, damit vermeiden Sie eine starke Verdunstung des Wassers während der heißen Mittagszeit. Staunässe sollte bei der Artemisia vulgaris nicht entstehen, zu festes Substrat können Sie bereits beim Anbau der Pflanze mit feinen Kieselsteinen vermischen. Ob Sie kalkhaltiges Leitungs- oder weiches Regenwasser zum Gießen verwenden, spielt für den Beifuß keine Rolle.

Eine Nährstoffversorgung in Form von künstlichem Flüssig- oder Langzeitdünger ist bei der Nutzpflanze nicht erforderlich. Mulchen Sie das Erdreich im Frühjahr und Spätsommer und arbeiten Sie direkt größere Mengen Kompost mit ein. Das reicht aus, um die Widerstandsfähigkeit und das Wachstum der mehrjährigen Pflanze zu unterstützen.

  Tipp: Beifuß reagiert empfindlich auf eine Überversorgung mit Düngemitteln.



Aussaat und Anbau

Der Korbblütler wurde bereits bei den alten Germanen als wertvolle und vielseitige Heilpflanze verwendet. Das krautige Gewächs mit den dunkelgrünen Blättern kann eine Höhe von bis zu zwei Metern erreichen und verträgt sich mit anderen Kräutern, wie beispielsweise Kamille, Oregano, Salbei und Ringelblumen. Die Pflanze besticht jedoch eher durch ihre Nutzbarkeit als durch ein apartes Äußeres. Deswegen ist der Beifuß ideal für naturbelassene Randbeete, bietet aber auch in Steingärten und auf Hügelbeeten in Pflanzgruppen ein interessantes Erscheinungsbild.

Die in der Natur weitverbreitete Artemisia vulgaris wird im Februar direkt auf der Fensterbank vorgezogen oder ab April im Freiland ausgesät. Für die Aussaat im Garten muss der Boden von Unkraut befreit und mit Humus aufbereitet werden. Beifuß ist ein Lichtkeimer und als solcher sollten die Samen nicht mit Substrat bedeckt sein. Halten Sie den Boden durch regelmäßiges Nachgießen feucht. Pikieren Sie die jungen Gewächse, sobald eine Wuchshöhe von etwa 15 Zentimetern erreicht ist. Der minimale Pflanzabstand zwischen den einzelnen Beifuß-Pflanzen beträgt ungefähr 60 Zentimeter. Dadurch verbleibt den Korbblütlern genügend Freiraum, um die buschigen Zweige vollends auszubilden.

Wenn

Sie bereits vor der Pflanzsaison vorziehen möchten, benötigen Sie folgende Materialien:
  • Flaches Pflanzgefäß
  • Anzuchterde
  • Wasserzerstäuber
  • perforierte Folie
Auch beim Vorziehen sollte der Samen nur großzügig auf dem Substrat verteilt werden. Wenn Sie keine spezielle Anzuchterde zur Hand haben, können Sie auch auf herkömmliches Blumensubstrat zurückgreifen. Vermeiden Sie lediglich die Anreicherung mit Kompost oder anderen Düngemitteln. Den Boden mit dem Wasserzerstäuber mäßig feucht halten. Ein heller Standort und Wärme beschleunigt die Keimung, allerdings sollten Sie die Nähe zu Heizquellen und eine direkte Sonneneinstrahlung vermeiden. Das luftige Abdecken mit einer lichtdurchlässigen Folie hat sich bewährt, jedoch ist hier eine tägliche Kontrolle des Substrats unerlässlich. Ein zu feuchtes Pflanzgefäß und fehlende Luftzirkulation bieten Schimmelsporen und Keimen einen üppigen Nährboden und könnten die Keimfähigkeit der Samen beeinträchtigen. Ab Mitte April können Sie den Beifuß direkt ins Freiland umsetzen, für einen guten Start in die Erntesaison empfiehlt sich hier eine Düngergabe in Form von Kompost oder Hornspänen.

  Tipp: Abhängig von der Witterung und Umgebungstemperatur beträgt die Keimzeit zwischen 14 und 25 Tagen.



Vermehren

Artemisia vulgaris PflanzeArtemisia vulgaris kann über Samen und durch Teilung der Wurzeln vermehrt werden. Sofern Sie den Beifuß nur gezielt im eigenen Garten anbauen möchten, sollten Sie verwelkte Blütenstände im September umgehend entfernen. Denn die Pflanze ist äußerst vermehrungsfreudig und sät sich von selbst aus. Schneiden Sie behutsam die Blütenrispen vor der Samenreife ab und verwenden Sie diese zum Kochen oder als Tee. Zu kleinen Sträußen zusammengebunden können Sie die Pflanzenteile aber auch kopfüber an einem luftigen Ort trocknen lassen.

Samen: Die Blütezeit der nutzbaren Pflanze liegt zwischen Juli und September. Sammeln Sie die Samen etwa ab Ende September bis Mitte Oktober ab und lassen

Sie diese ausreichend trocknen. Beugen Sie Schimmelbildung vor, indem Sie die Samen an einem nicht zu feuchten und kühlen Ort aufbewahren. Jedes Beifuß-Gewächs bildet ausreichend Samen aus, sodass ein gezielter Anbau von Pflanzen zur Samengewinnung nicht vorgenommen werden muss.

Wurzelteilung: Wenn Sie die Blütenrispen bereits anderweitig verwenden, können Sie die mehrjährige Pflanze mit den holzigen Stängeln im Frühjahr oder Herbst auch auf diese Art und Weise vermehren. Der beste Zeitpunkt für die Wurzelteilung liegt im Frühjahr oder Herbst. In seltenen Fällen treibt eine Wurzel mehrere Stängel gleichzeitig aus. Teilen Sie die fleischigen Rhizome deswegen in möglichst gleich große Stücke auf und pflanzen Sie diese waagrecht etwa 4 bis 5 Zentimeter tief in die Erde ein. Aus diesen Wurzelstücken heraus bilden sich innerhalb weniger Monate neue Beifuß-Pflanzen. Eine besondere Pflege der geteilten Artemisia vulgaris ist nicht nötig.

Schneiden

Um den Garten winterfest zu machen, gehört es zur Unart vieler Gärtner, dass mehrjährige Gewächse oft bereits vor dem ersten Frost bodennah zurückgeschnitten werden. Die Pflanzen benötigen jedoch das Laub und die Triebe, um Energiereserven für die kalte Jahreszeit zu sammeln. Auch der Beifuß bildet hier keine Ausnahme. Schneiden Sie deswegen Artemisia vulgaris erst im Februar bzw. März radikal zurück, ehe das Gewächs mit dem Austrieb beginnt.

Von Mai bis Juli kann mit der Ernte begonnen werden. Dafür sollten mit einer scharfen Schere die benötigten Triebspitzen oder Blätter abgetrennt werden. Diese Maßnahme regt das Gewächs zur Ausbildung neuer Pflanzenteile an. Bis zum Anfang der Blütezeit können Sie regelmäßig ernten und den Beifuß soweit wie nötig zurückschneiden.

  Tipp: Beifuß gilt als winterhart und selbst zweistellige Minustemperaturen können dem wuchsfreudigen Gewächs keinen Schaden zufügen.



Pflegehinweise

Die robuste und vielseitige Pflanze benötigt kaum Pflege und darf auch in heißen Sommertagen durchaus sich selbst überlassen bleiben. Seine appetit- und stoffwechselfördernde Wirkung wird immer noch vielerorts von gesundheitsbewussten Gärtnern und Köchen geschätzt.

Ernte - Alle Teile der Pflanze, inklusive der Wurzelstücke, können für den Verzehr verwendet werden. Um auch im Winter über einen Vorrat an Beifuß zu verfügen, sollten Sie direkt vor dem Öffnen der Blüten einige größere Stängel trocknen lassen. Bewahren Sie diese bis zur Verwendung an einem dunklen Platz auf. Ein luftdicht verschlossenes Gefäß hat sich dabei zur Bewahrung des Aromas bewährt. Während der Blütezeit werden die Blätter der Pflanze bitter und sind damit fast ungenießbar. Ein übermäßiger und lang anhaltender Genuss von Beifuß sollte nur unter ärztlicher Aufsicht vorgenommen werden.

Kultivierung - Sofern der Standort nicht zu dunkel ist, kann der Beifuß nach Belieben im ganzen Garten kultiviert werden. Trotz seiner Wuchshöhe von bis zu 2 Metern konkurriert er nicht mit anderen Pflanzen um Wasser und Licht. Deswegen können Sie die Artemisia vulgaris auch mit anderen, langsam wachsenden Gewächsen nebeneinander pflanzen. Der Korbblütler, welcher bereits seit der Antike in der heimischen Küche und Heilkunde Verwendung findet, eignet sich auch zur Bepflanzung von Hang- und Steinbeeten. Wenn Sie über einen Ziergarten verfügen, gönnen Sie dem Beifuß doch direkt am Gartenzaun ein Plätzchen.

  Tipp: Die Blüten des Beifußes lösen bei einigen Menschen Allergien aus. Sofern Sie betroffen sind, meiden Sie in der Blütezeit die Pflanze weiträumig oder entfernen Sie die Blüten, ehe diese sich öffnen.



Krankheiten und Schädlinge

Selbst wenig wählerische Schädlinge wie Blattläuse und Spinnmilben meiden die gefiederten Blätter der Artemisia vulgaris. Vielmehr kann die beliebte Nutzpflanze im Garten bei anderen Gewächsen zur Vorbeugung und Bekämpfung von schadhaften Insekten eingesetzt werden. Kultivieren Sie den Korbblütler in direkter Nachbarschaft zu Kohlpflanzen oder anderen Gemüsesorten. Folgende Insekten werden durch den intensiven Geruch des Beifußes erfolgreich ferngehalten:
  • Blattläuse
  • Kohlweißlinge
  • Erdflöhe
  • Schildwanzen
Beifuss-PflanzeBedenken Sie jedoch, dass stark geschwächte Pflanzen immer einen idealen Nährboden für hungrige Insekten bieten. Selbst Beifuß kann in diesem Fall als direkter Nachbar nicht mehr zuverlässig Läuse und Co. abwehren. Gießen Sie die Gewächse regelmäßig und kultivieren Sie diese nur an deren bevorzugten Standorten.

Wurzelfäule - Durch eine falsche und übermäßige Versorgung mit Wasser erleidet selbst die robusteste Pflanze Schaden. Selten, wenn jedoch bei falscher Pflege möglich, können die geschwächten Wurzeln der Artemisia vulgaris vom Pilzerreger "Phytophthora cinnamomi" befallen werden. Erste deutliche Anzeichen dafür sind ein kümmerndes Erscheinungsbild der Pflanze und ein strenger Geruch, der aus dem Erdreich dringt. Wirksame Fungizide gegen Wurzelfäule sind nicht erhältlich. Sofern die Zersetzung der Wurzeln noch nicht weit fortgeschritten ist, kann sich der Beifuß oft in einem frischen, trockenem Boden regenerieren.

Fazit

Die mehrjährige Pflanze sollte aufgrund ihrer Vielseitigkeit in keinem naturnahen Garten fehlen. In getrockneter oder frischer Form verleiht der markante Geschmack der Pflanzenteile vielen Speisen eine besondere Note. Darüber hinaus ist der Anbau von Artemisia vulgaris ohne viel Aufwand und Vorkenntnisse möglich. Richtig gepflanzt wirkt der Korbblütler auch einem etwaigen Schädlingsbefall bei benachbarten Gewächsen entgegen.
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Tipps für Schnellleser
Pflege-Tipps für Beifuß

- Beifuß benötigt trockene und helle Standorte. 
- Das Substrat sollte humusreich und durchlässig sein. 
- Gegossen wird mäßig, Staunässe schadet der Pflanze. 
- Im Frühjahr und Spätsommer den Boden mulchen und mit Kompost düngen.
- Die Samen werden ab Februar auf der Fensterbank vorgezogen.
- Ab April erfolgt die Aussaat direkt im Freiland.
- Auch durch Wurzelteilung lässt sich das Gewächs vermehren.
- Für die Kultivierung in Stein- und Hügelbeeten geeignet.
- Ein radikaler Rückschnitt muss im zeitigen Frühjahr erfolgen. 
- Artemisia vulgaris kann eine Höhe von bis zu 200 Zentimetern erreichen.
- Die Blütezeit liegt zwischen Juli und September.
- Beifuß ist selbst nicht anfällig für Schädlinge und Krankheiten.
- Hält Läuse und Kohlweißlinge von Nachbarpflanzen fern.
- Alle Teile der Nutzpflanze sind für den Verzehr geeignet.
- In getrockneter Form ist Beifuß mehrere Monate lang haltbar.
- Das heimische Gewächs ist winterhart.
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