Vogelmiere

Vogelmiere ist eine tückische Pflanze. Innerhalb von 5 bis 6 Wochen verteilt sie schon ihre Samen, pro Pflanze etwa 15.000 Stück und es gibt mindestens 3 Generationen pro Gartensaison. Selbst im Winter wachsen die Pflanzen weiter. Wer keinen dichten Vogelmiereteppich im Garten haben möchte, muss einschreiten. Nur beharrliches Bekämpfen führt zum Ziel. Wenn man zwischendurch einmal locker lässt, sind die Pflanzen gleich wieder auf dem Vormarsch. Was man gegen Vogelmiere unternehmen kann oder muss, was hilft und was eher nicht, haben wir für Sie zusammengetragen. Informieren Sie sich!

Kurzer Steckbrief der Vogelmiere

  • Nicht nur Unkraut, sondern auch Wildkraut und Heilpflanze
  • Lateinische Bezeichnung: Stellaria media
  • Gehört zur Gruppe der Nelkengewächse
  • Einjährige, krautige Pflanze, manchmal auch zweijährig
  • Niederliegender Wuchs
  • 3 bis 40 cm lange Stängel
  • Bildet Teppiche
  • Weiße, kleine Blüten, ganzjährig
  • Blüten öffnen sich nur bei schönem Wetter
  • Bildet Kapselfrüchte
  • Sehr ausbreitungs- und vermehrungsfreudig
  • Eine Pflanze kann bis zu 15.000 Samen bilden
  • Schützt z.B. in Weinbergen den Boden vor Austrocknung
  • Erosionsmindernd
  • Man unterscheidet, Gewöhnliche Vogelmiere, Großblütige Vogelmiere, Bleiche Vogelmiere

Vogelmiere bekämpfen

Vogelmiere wird im Handel als Vogelfutter für viel Geld für so ein kleines Töpfchen angeboten. Die 2,50 €, die so etwas kostet, können sich viele Gartenbesitzer sparen, denn bei ihnen wächst die Pflanze wie wild im Garten. Sie haben alle Hände voll zu tun, dieses Unkraut wieder loszuwerden. Ganz nebenbei, Vogelmiere ist ein Anzeiger für sehr guten Boden, der ideal für den Gemüseanbau geeignet ist. Eigentlich müsste man also glücklich sein, wenn sie wächst.

VogelmiereDas Bekämpfen ist wichtig. Nicht nur dass sich bei Nichtbeachtung schnell ein dichter Teppich der Pflanzen bildet, die Wurzeln der Vogelmiere können Nematoden beherbergen und diese wiederum sind schädlich für viele Pflanzen. Rosen zum Beispiel kommen damit gar nicht zurecht und gehen häufig ein.

Jäten
Wie jedes andere Unkraut auch, lässt sich die Vogelmiere durch jäten entfernen. Das sollte man unbedingt vor dem Blühen tun. Wenn man die Pflanzen am Vermehren hindert, bekommt man sie auch in den Griff. Sind erst einmal Samen verteilt, wird es viel, viel schwieriger. Einfach die Pflanze ganz vorsichtig aus dem Boden ziehen, wenn es geht, mit der kompletten Wurzel.

  • Wenn Wurzelteile im Boden zurückbleiben, treiben aus diesen neue Pflanzen aus.
  • Aus dem kleinsten Zipfelchen wird eine große Pflanze.
  • Am besten gehen die Pflanzen aus feuchtem Boden zu entfernen, dann ist die Erde lockerer.
  • Wichtig ist, das Jäten regelmäßig zu wiederholen, damit die nachwachsenden Pflanzen keine Chance haben, groß genug zu werden und zu blühen.
  • Nur wenn man immer am Ball bleibt, kann man die Vogelmiere dauerhaft beseitigen.

Tipp – Nicht genutzte Vogelmiere nicht auf den Kompost geben. Auch dort treiben die Wurzeln wieder aus. Kleinste Teilchen genügen. So wird die Pflanze dann wieder im Garten verteilt.

Abdecken
Wird die Fläche die „befallen“ ist, nicht benötigt, macht es durchaus Sinn, diese mit Unkrautvlies oder Folie abzudecken. Wenn kein Licht und keine Feuchtigkeit an die Wurzeln kommen, dann kann darunter auch nichts wachsen.

  • Die Folie muss mindestens ein Jahr auf der Fläche liegen bleiben.
  • Sie darf keinesfalls Licht durchlassen
  • Am besten starke schwarze Folie verwenden, gern auch Teichfolie, wer noch irgendwo welche liegen hat
  • Vor dem Abdecken die gesamte Fläche umgraben
  • Alle sichtbaren Unkräuter und Wurzeln entfernen
  • Großflächig mit Folie abdecken
  • Darauf Rindenmulch ausbringen, damit hält die Folie und bleibt an Ort und Stelle liegen.
  • Alternativ kann sie auch mit Steinen beschwert werden.

Stellaria mediaDiese Methode ist effektiv. Allerdings hat auch sie einen Haken. Wenn Samen im Boden liegen, können diese nach Abnahme der Abdeckung austreiben. Sie bleiben jahrelang keimfähig, ich habe gelesen, bis 80 Jahre (wer hat das erforscht?)

Tipp
Im Frühjahr mit Kali düngen und im Herbst Kalkstickstoff ausstreuen, das soll die Samen vernichten. Die Samen unschädlich zu machen, ist die Grundvoraussetzung, dass die Vogelmiere nicht immer wieder austreibt. Solange es Samen gibt, bekommt man das Problem nicht in den Griff.

Vogelmiere im Rasen

Im Rasen ist Vogelmiere nicht so ein großes Problem, zumindest, wenn dieser regelmäßig gemäht wird. Das können die Pflanzen auf Dauer nämlich nicht vertragen. Nach und nach verschwinden immer mehr der Pflanzen und dann hat man meist Ruhe. Allerdings können sie sich im Winter wieder ausbreiten, denn dann wird das Gras in der Regel nicht geschnitten. Vogelmiere wächst auch im Winter, wenn die Temperaturen nicht im Minusbereich sind, und das ist ja recht häufig der Fall.

Der Rasenmäher muss ziemlich tief eingestellt werden, denn Vogelmiere kriecht förmlich am Boden entlang.

Chemie gegen die Vogelmiere

Wer weder Zeit und/oder Geduld hat, Vogelmiere durch Jäten zu entfernen, kann dies auch mit Chemie tun. Das sollte immer der letzte Schritt sein. Ich bin gegen den Einsatz von Unkrautvernichtern, zumindest, wenn es auch anders geht. Das muss aber jeder mit seinem Gewissen ausmachen. Auf alle Fälle macht es wenig Sinn, Gemüse anzubauen und es dann derartig mit Chemie zu behandeln. Dann kann man auch gleich das gespritzte Gemüse im  Discounter oder Supermarkt kaufen.

Im Haus- und Gartenbereich sind ausschließlich Produkte auf Glyphosat-Basis zugelassen. Diese Herbizide sollen nur gegen einzelne Unkräuter wirken. Das wäre günstig, denn dann können Unkräuter zwischen Gemüsepflanzen gezielt bekämpft werden. Die Pflanzen nehmen die Gifte auf, verbreiten diese bis in den kleinsten Wurzelteil und lassen sie absterben. Dass dabei das Gift nicht in den Boden gelangt, kann ich mir nicht vorstellen, aber ich bin auch kein Spezialist. Wichtig ist sicher die richtige Dosierung.

  • Die einzelnen Pflanzen oder Pflanzenkolonien gezielt besprühen
  • Am besten alle benachbarten Pflanzen und den Boden ringsum abdecken, damit kein Gift darauf gelangen kann
  • Die Vogelmiere nimmt das Gift über die Blätter auf.
  • Es verteilt sich in der gesamten Pflanze.
  • Sie stirbt ab.

Tipp
Stellaria mediaWichtig ist, dass man die Pflanze nicht beim ersten Anzeichen vom Absterben aus dem Boden entfernt. Das Gift benötigt einige Zeit, bis in die letzten Wurzelteilchen zu gelangen und diese abzutöten. Wird die Vogelmiere zu früh herausgezogen, können kleinste Teilchen abbrechen und aus diesen Teilen der Wurzel können neue Pflanzen austreiben.

  • Die Gifte wirken nicht gegen Samen.
  • Unkrautfrei Keepers von Bayer Garten – gegen Unkräuter und Ungräser, besitzt ein breites Wirkspektrum, reicht von oberirdischen Pflanzenteilen bis tief in die Wurzeln, kann während der gesamten Vegetationsperiode angewandt werden, zugelassen auch im Obstanbau, nicht bienengefährlich, Wirkstoff: Glyphosat-Isopropylaminsalz, Anwendung ist genehmigungspflichtig bei Wegen und Plätzen

Die Anwendung beider Mittel ist umstritten. Es gibt zahlreiche Befürworter, aber auch viele Gegner. Fakt ist, dass besonders ein bekanntes lyphosphathaltiges Mittel seit Jahrzehnten in der Landwirtschaft genutzt wird. Es hat da schon die eine oder andere Schwierigkeit gegeben. Auch haben sich zahlreiche Resistenzen gebildet. Die Mittel sind nicht so harmlos. Ohne hier ein Urteil abgeben zu wollen, ich nutze diese doch starken Gifte nicht und werde das auch nie tun. Ich bin für manuelle Unkrautbeseitigung. Solange es ohne Gifte geht, bin ich dabei. Wir haben der Umwelt schon genug geschadet. So unbedenklich, wie die Mittel immer hingestellt werden, können sie nicht sein, das glaubt wer will, ich nicht.

Auch chemische Mittel sind keine Allheilmittel. Zum einen ist die Vogelmiere sehr hart im Nehmen und wirklich schwer zu töten, selbst durch Gift und zum anderen entwickeln die Pflanzen auch gern mal eine Resistenz.  Wichtig ist auf jedem Fall immer, sich an die Anweisungen des Herstellers zu halten. Nicht zu hoch dosieren!

Häufige Fragen

Vogelmiere ist ein Wildkraut. Wie kann man dieses verwerten?
Vogelmiere enthält viel Vitamin A, dazu Eisen, Kalium, Kalzium und Kieselsäure. Schon 150 g Vogelmiere decken den Tagesbedarf an Vitamin C. Man kann die Pflänzchen mit in den grünen Salat geben oder klein hacken und auf Butter- oder Frischkäsebroten essen. Am besten schmecken frisch ausgetriebene Zweige mit Blättern.

VogelmiereIdeal ist Vogelmiere als Beigabe für Salat. Allerdings sollte man keine Massen davon essen. Einfach etwa zwei Hände voll davon waschen und hacken und in den Salat mischen. Außerdem verfeinert Vogelmiere Suppen. Einfach kleingehackte Vogelmiere zu Kartoffelsuppe oder zu einer anderen Suppe geben. Je nach Bedarf können die Blättchen auch püriert werden. Lecker ist auch Vogelmierepesto. Im Internet findet man viele leckere Rezepte, wie man Vogelmiere am besten verarbeiten kann. Am gesündesten ist sicher der Rohverzehr, dann sind noch alle guten Inhaltsstoffe vorhanden.

Wieso ist Vogelmiere so schwer zu bekämpfen?
Vogelmiere ist ein Überlebenskämpfer. Die Pflanzen sind das gesamte Jahr über aktiv. Schon bei +4°C keimen die Samen, also notfalls sogar unter einer Schneedecke. Auch tiefer Frost macht nichts, den überleben zwar die Pflanzen nicht, aber die Samen, sogar nach Jahrzehnten keimen sie noch. Außerdem ist Vogelmiere nicht auf die Bestäubung von Insekten angewiesen. Sollten keine vorhanden sein, weil es z.B. einfach für sie noch zu kühl ist, kann sie ihren Staubbeutel zum Stempel krümmen und sich so selbst befruchten. Deshalb gibt es auch so schnell und so früh im Jahr Samen.

Vogelmiere hat zahlreiche Vorteile, allerdings nicht so viele für den Gärtner. Auf alle Fälle ist die Pflanze ein Anzeiger für Stickstoffreichtum im Boden, was wiederum eine Voraussetzung für starkzehrende Gemüsepflanzen ist. Ihre Samen werden gern von kleinen Vögeln gefressen, was wohl auch der Ursprung des Namens ist. Der Blütennektar der Vogelmiere sichert kurzrüsseligen Insekten das Überleben. Brachliegende Böden werden von Vogelmiere schnell bedeckt und dadurch geschützt.