Efeu - ist er giftig?

Soll eine unansehnliche Mauer oder Fassade begrünt werden, greifen die meisten Gärtner zum Gemeinen Efeu. Die Pflanze wächst auch im Schatten gut, behält ihre Blätter Sommer wie Winter, klettert ganz ohne Rankgerüst und benötigt nahezu keine Pflege, außer vielleicht einem gelegentlichen Schnitt. Perfekte Eigenschaften für eine Gartenpflanze – wäre da nicht die unschöne Eigenschaft, dass Efeu giftig ist. Doch was bedeutet giftig in diesem Fall überhaupt und ist Efeu grundsätzlich giftig? Was haben Kinder, erwachsene Menschen und Haustiere zu befürchten?
Kurzer Steckbrief

  • botanischer Name: Hedera helix
  • Verbreitung: ganz Europa und Nordamerika
  • immergrüne Schattenpflanze
  • Kletterpflanze mit Haftwurzeln
  • Wuchshöhe bis 20 m
  • Triebe vorholzen im Alter
  • Blüten: unscheinbar grünlich (bilden sich erst im Alter)
  • Früchte: rundliche violett-schwarze Beeren in traubiger Anordnung

Ist jeder Efeu giftig?

Prinzipiell ist es völlig korrekt, Efeu als giftig zu bezeichnen. Allerdings gibt es zwischen den verschiedenen Pflanzen große Unterschiede. Efeu enthält zwei Stoffe, die eine gesundheitsgefährdende Wirkung haben. Diese Giftstoffe oder Allergene reichern sich in den unterschiedlichen Pflanzenteilen an. Prinzipiell sind wegen ihrer Giftwirkung zwei Pflanzenarten zu unterscheiden:

  1. Bodendecker-Efeu und Jugendform von Hedera helix
  2. Fruchtende Altersform Hedera helix ‚Arbonrescens‘

Lebensphasen

Auf den ersten Blick möchte man meinen, Efeu sei gleich Efeu. Das ist so aber nicht richtig. Wirklich gefährlich ist der Gemeine Efeu dann, wenn er Blüten und Früchte ausbildet. Dies ist allerdings erst in der sogenannten Altersform der Fall, sie wird botanisch Hedera helix ‚Arbonrescens‘ genannt. Der Name hat weniger mit dem tatsächlichen Alter der Pflanze als vielmehr mit der Wuchshöhe zu tun. Efeu durchläuft verschiedene Entwicklungsphasen, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Die erste Lebensphase der Rankpflanze besteht darin, sich aus den schattigen Bereichen unter Bäumen dem Licht entgegen zu winden. Ist das Ende des Baumes – und damit das Licht – erreicht, beginnt die zweite Lebensphase. Erst jetzt bildet Hedera helix Blüten aus und kann damit Früchte produzieren. Allerdings verliert Efeu dadurch seine Fähigkeit zu klettern.

Efeu im TopfWer etwas genauer hinsieht, erkennt ganz leicht, um welche Entwicklungsstufe es sich handelt. Diese buschigen, nicht kletternden Efeupflanzen benötigen einen etwas sonnigeren Standort. Während junge Triebe und Pflanzen die typische drei- oder fünflappige Blattform aufweisen, sind die Blätter bei der adulten Form herzförmig. Zudem blühen die kompakten Büsche im Herbst üppig und bilden blauschwarze Beeren aus.

Tipp: Hedera helix ‚Arbonrescens‘ wird aus älteren, bereits blühenden Trieben durch Stecklingsvermehrung gewonnen.

Giftstoffe

Die Pflanze enthält in allen Pflanzenteilen Giftstoffe. Die Konzentration der einzelnen Toxine unterscheidet sich jedoch stark, je nachdem, ob es sich um die Blätter oder die Früchte des Efeus handelt.

1. Saponine (Hederin) in den Beeren
Saporine kommen vor allem in den schwarzen Beeren in hoher Konzentration. Deshalb stellen die Früchte vorrangig für kleine Kinder ein ernsthaftes Risiko dar. Erste Vergiftungserscheinungen können bereits nach dem Verzehr von zwei bis drei Beeren auftreten. Symptome äußern sich in

  • Übelkeit und Erbrechen
  • schnellem oder unregelmäßigem Puls
  • Reizungen im Magen-Darm-Trakt
  • Kopfschmerzen

Bei der Aufnahme größerer Mengen zeigen sich folgende Symptome:

  • starke Brechdurchfälle
  • Krämpfe
  • Schock
  • Atemstillstand

Tipp: Da die Beeren sehr bitter schmecken, ist mit dem Verzehr von größeren Mengen bei Kindern nicht zu rechnen.

2. Falcarinol in den Blättern
Häufiges Berühren des Efeus, gerade beim jährlichen Zurückschneiden, birgt das Risiko, sich für die vor allem in den Blättern enthaltenen Allergene (Falcarinol und Dihydrofalcarinol) zu sensibilisieren. Manchmal entsteht deshalb erst nach Jahren ein allergisches Kontaktekzem auf der Haut. Dermatologen empfehlen daher nicht nur Berufsgärtnern, sondern auch Hobbygärtnern präventive Maßnahmen in Form von Handschuhen und langer Kleidung, um sich zu schützen. Typische Reaktionen der Haut sind beispielsweise:

  • juckende Rötungen
  • später Bläschenbildung
  • ausgeprägte Ödeme

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Die Beeren von Efeu schmecken sehr bitter, weshalb mit der Einnahme größerer Mengen nicht zu rechnen ist. Sollten sich dennoch bei Kindern oder Haustieren Vergiftungserscheinungen zeigen, sollte unbedingt der Rettungsdienst sowie der Giftnotruf benachrichtigt werden. Die Menschen dort kennen sich sehr gut aus und können schlimmeren Folgen vorbeugen oder auch Leben retten. Bei einem intensiven Kontakt mit der Haut sollte diese sofort mit kaltem Wasser abgespült werden. Egal, zu welcher Art von Kontakt es mit dem Efeu gekommen ist, im Ernstfall sollte immer (spätestens beim Auftreten erster Symptome) ein Arzt aufgesucht werden.

Gefahr für Kinder

EfeupflanzeKleine Kinder fühlen sich möglicherweise von den Beeren angezogen und dem Verzehr animiert. Deshalb ist es ratsam, Efeu prinzipiell nicht an Stellen zu pflanzen, an denen er von Kindern erreicht werden kann. Vor allem während der Blüte und der Fruchtbildung nicht. Das Fruchtfleisch dieser Efeubeeren enthält das meiste Gift und führt schon nach dem Verzehr von zwei bis drei der kleinen blauschwarzen Kügelchen zu ersten Vergiftungserscheinungen. Aber auch die Blätter sind nicht ohne, wenn sie von Kinderhand gepflückt und zerkleinert werden oder auch im Mund landen. Sie stellen den Beeren gegenüber jedoch das kleinere Übel dar.

Gefahr für Tiere

Viele Insekten ernähren sich vom Nektar in den Efeublüten. Da die Blüten zu einer Zeit heranreifen, in der die meisten anderen Pflanzen schon welken, nämlich im Herbst, bieten sie zahlreichen Bienen, Hummeln und Faltern eine Möglichkeit, sich noch spät im Jahr am Nektar zu laben. Einheimische Gartenvögel fressen die Efeubeeren gerne. Ihnen scheinen die Toxine nichts auszumachen. Und auch Esel zeigen nach dem Verzehr von Efeu keinerlei Symptome. Giftig ist Efeu jedoch für:

  • Hunde und Katzen
  • Kaninchen
  • Nagetiere wie Meerschweinchen und Hamster
  • Ziervögel

Tipp: Haustiere haben nach dem Verzehr von Efeu ähnliche Symptome wie Menschen. Bei Verdacht auf eine Vergiftung durch Efeu sollte unbedingt der Tierarzt um Rat gefragt werden.

Efeupflanzen entfernen

Wer Haustiere, Allergiker oder kleine Kinder im Haushalt hat, sollte der Sicherheit zuliebe den Efeu aus dem Garten verbannen. Dabei muss unbedingt die ganze Pflanze mitsamt Wurzeln aus der Erde entfernt werden, denn Efeu ist als anspruchslose Pflanze sehr hartnäckig und schwer zu vertreiben. Dazu sollte unbedingt lange Kleidung nebst Handschuhen getragen werden, damit es nicht zu einem Kontakt mit der Haut kommt.

Tipp: Efeu darf auf keinen Fall verbrannt werden, da die erhitzten Öle zu schweren Reizungen der Haut und Atemwege führen kann.

Fazit

Kleine Kinder sind besonders durch den Verzehr der violett-schwarzen Efeubeeren gefährdet, die sich aber nur bei der adulten Form des Efeus, die botanisch Hedera helix ‚Arbonrescens‘ genannt wird, bilden. Erwachsene Menschen gehen ein nicht zu kalkulierendes Risiko beim Stutzen der Rankpflanze ein, denn hierbei kann es zu Allergien und einem Kontaktekzem kommen – manchmal erst nach wiederholtem Hautkontakt. Hierbei ist es unerheblich, um welche Form des Efeus es sich handelt.