Orchidaceae phalaenopsis Orchideen

Die leuchtend blauen Blüten sind extrem auffällig, man kann sie quasi nicht übersehen. Dieses Blau ist natürlich nicht echt, ein solches Blau gibt es bei Orchideen nicht. Inzwischen (Februar 2013) haben japanische Forscher aber tatsächlich eine blaue Orchidee gezüchtet. Zwar ist die Farbe nicht ganz so knallig, dafür wirkt die Blüte aber irgendwie echter. Allerdings ist diese blaue Farbe bei Orchideen nicht natürlich.

Gentechnik macht’s möglich – leider!

Hier wurde gentechnisch nachgeholfen, indem blaue Gene von anderen Pflanzen genutzt wurden, in diesem Fall der Asiatischen Tagblume (Commelina communis) Beim Ergebnis handelt sich um eine Phalaenopsis, mit etwa 5 cm großen Blüten. Bis diese Orchideen in den Geschäften stehen, wird es sicher noch eine ganze Weile dauern, denn dafür ist noch allerhand Laborarbeit nötig.

In der Zwischenzeit müssen sich alle Liebhaber von blauen Orchideen mit den künstlich gefärbten Exemplaren zufrieden geben. Die kann man fix und fertig kaufen oder aber auch selbst einfärben. Wer gerne experimentiert, kann es ruhig einmal selbst ausprobieren. Es ist nicht einfach, funktioniert nicht immer und es kann passieren, dass die Pflanze das nicht überlebt.

Die Blauen Orchideen im Handel sind natürlich auch das Ergebnis einer Manipulation. Ein holländischer Züchter hat auf dieses Verfahren ein Patent angemeldet. Oft werde diese Orchideen unter der Bezeichnung „Chamäleon-Orchidee“ angeboten.

Orchideen blau färben

In den meisten Fällen werden glatt weiße Orchideen eingefärbt. Allerdings sehen bestimmt auch gemusterte Blüten oder andere Grundfarben sehr interessant aus. Auf diese Art können sich tolle Muster und Farben ergeben.
Das Patent des holländischen Züchters funktioniert folgendermaßen:

  • Genutzt wird eine weiße Orchidee, eine Hybrid-Züchtung.
  • Während diese Orchidee einen Blütenstiel austreibt, wird sie an einen Tropf mit spezieller blauer Farbe gehängt.
  • Die Farbe nehme ich mal an, ist das Geheimnis. Tinte wird es nicht sein, denn die schadet den Pflanzen. Reine Lebensmittelfarbe wird es auch nicht sein, das wäre zu einfach.
  • Ein Orchideenzüchter hat geschrieben, dass es recht teure chemische Mittel wären, das macht Sinn.
  • Die „Infusionsnadel“ wird an der Basis in den Blütenstiel gestochen, möglichst an einer Stelle, die auf den ersten Blick nicht auszumachen ist.
  • Die Orchidee wird, bis zum Öffnen der Blüten mit blauer Farbe versorgt.
  • Die Pflanze nimmt die Farbe auf und transportiert sie über ihre Leiterbahnen bis zur Blüte.
  • Die Blüten nehmen die Farbe an und werden blau.
  • Oftmals färben sich auch die Luftwurzeln ein und bei den Blättern kann man die Farbe bei genauem Hinsehen auch erkennen.

Experimente für den Eigengebrauch

Für den Eigengebrauch ist dieses Verfahren auch anzuwenden. Allerdings ist die Farbe das Problem. Tinte verstopft die Poren und bringt die Orchideen um. Von Tinte ist also dringend abzuraten. Die ist nur zum Einfärben von abgeschnittenen Orchideenrispen geeignet. Lebensmittelfarbe ist nicht lichtecht und baut sich ab.

Lebensmittelfarbe BlauAllerdings wird beim Kauf vieler blauer Orchideen geraten, weiter Lebensmittelfarbe dem Gießwasser beizugeben. Eigentlich ist das Blödsinn, denn Orchideen nehmen ihr benötigtes Wasser mehrheitlich aus der Umgebungsluft auf. Sie haben gar keinen „normalen“ Wurzeln. Auch wenn wir gießen, sie nehmen die Feuchte auf und nicht direkt das Wasser. Alaune wird von vielen Pflanzenkundigen empfohlen, das Mittel, welches auch Hortensien blau macht, aber eigentlich kann das nicht sein. Weiße Hortensien werden ja dadurch auch nicht blau, nur rosafarbene und es gibt auch einen richtigen Grund für die Färbung. Also, doch Lebensmittelfarbe. Die gibt es nicht nur in Blau, sondern in vielen anderen Farben. Man könnte so grüne, gelbe, rote und lila Orchideen schaffen, ganz nach Lust und Laune. Im Handel sind solche Exemplare auch manchmal zu finden. Im Moment sind blaue Phalaenopsis in Mode, also dann die blaue Farbe.

Ich sage es schon mal vorweg, so blau wie die gekauften Orchideen, werden die selbst gefärbten nicht, aber es gibt trotzdem schöne Ergebnisse. Es braucht Zeit und Geduld und dann funktioniert es wirklich. Ich finde die Orchideen, die nur blaue Ränder und Adern haben sogar schöner als die ganz blauen Exemplare. Die sind mir zu unecht.

  • Am besten verwendet man erst einmal eine rein weiße Orchidee. Mit Mustern und anderen Farben kann später probiert werden.
  • Ich könnte mir vorstellen, dass es nur mit weißen Orchideen funktioniert, weil denen wohl ein Farbgen fehlt und sie deshalb die Farbe aufnehmen, aber ich bin ein Laie und kenne mich nicht aus.
  • Das Einspritzen muss bei einem frisch austreibenden Blütentrieb vorgenommen werden, denn er sollte noch recht weich sein.
  • Die Kanüle muss ausreichend groß sein (Durchmesser), denn es wird schon eine Menge Farbe benötigt. 1,5 mm Durchmesser sollte reichen. Notfalls 2 mm ausprobieren.
  • Die Narben der im Handel erhältlichen Orchideen sind auch beträchtlich. Es muss wahrscheinlich eine Menge blaue Farbe durchpassen.
  • Die Kanüle 3 bis 5 mm schräg nach unten einstechen. Man muss in etwa in die Mitte des Stängels gelangen. Sticht man zu tief, kommt man auf der anderen Seite wieder raus.
  • Am besten macht man die Kanüle mit Tesafilm fest.
  • Wenn möglich, ist die Transfusion schon eine gute Sache. Man muss nur einmal stechen, es gibt nur eine Verletzung (gilt pro Blütentrieb). Dafür benutzt man am besten eine offene Spritze, denn die kann problemlos aufgefüllt werden. Einfach wieder Lösung hineinkippen.
  • Dann lässt man das blau gefärbte Wasser eintröpfeln. So kann die Flüssigkeit wie bei einem Tropf Tröpfchen für Tröpfchen in den Blütenstiel gelangen.
  • Ansonsten muss jeden Tag Nachschub in die Pflanze. Das zumindest war das Ergebnis eines geglückten Experimentes, von dem ich gelesen habe.
  • Es ist einfach wichtig, dass so viel Farbe wie möglich in den Blütentrieb gelangt. Nur dann färben sich die Blüten entsprechend. 

Ich habe von vielen Versuchen von Pflanzenfreunden und neugierigen Tüftlern gelesen. Nicht viele wurden von Erfolg gekrönt. Es ist also nicht so einfach. Die meisten Fehlschläge waren derart, dass die Blüten sich gar nicht erst geöffnet haben. Sie sind kaputt gegangen. Viele haben auch keine Farbe angenommen. Es ist ja auch unklar, wie viel Farbe die Orchidee aufnehmen muss. Diese Färberei ist also wirklich eher etwas für Tüftler und Menschen, die wissen wollen, wie es funktioniert. Geduld und Ausdauer sind auch vonnöten.

Das Ergebnis solch eines Experiments unter: http://steffieshexenhaus.blogspot.de/2012/01/ich-mach-mal-blau.html
Hier sieht man auch schön, wie die Spritze und Kanüle befestigt werden können.

Orchideenrispen blau färben

Orchidaceae phalaenopsis OrchideenEinzelne Orchideenrispen lassen sich einfacher Färben. Hier kommt die oft empfohlene Tinte zum Einsatz. Mit ihr kann man Orchideenrispen für die Vase blau färben. Für ganze Pflanzen sollte keine Tinte genutzt werden, sie macht mehr Schaden als Nutzen. Für Schnittblüten ist sie aber gut geeignet. Man fängt mit einer kleinen Menge Tinte an, die in das Wasser gegeben wird. Wenn man eine undurchsichtige Vase nutzt, kann die Tinte mit Wasser verdünnt gleich da hinein gegeben werden. In die Wasser-Tinten-Lösung stellt man den oder die Rispen. Diese nehmen die blaue Farbe nach und nach an. Je nach Bedarf kann weitere Tinte zugegeben werden. Ich würde es aber mit der Menge nicht übertreiben. Mit etwas Übung kann man sehr schöne gefärbte Exemplare erhalten.

Die Pflege einer blau gefärbten Orchidee

Die Farbe hält in der Regel bis zum Abblühen der Orchidee. Allerdings kann man erkennen, dass die oberen Blütenknospen, die sich ja meist erst später öffnen, schon deutlich heller sind. Die letzten an der Spitze sind oftmals schon wieder fast weiß. Die nächste Blüte, welche die Pflanze nach einigen Monaten treibt, enthält meist keine Farbe mehr, ist wieder rein weiß oder manchmal noch minimal hellblau. Wer die Farbe in den Blüten weiter so intensiv blau erhalten möchte, soll dem Gießwasser Lebensmittelfarbe zugeben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es funktioniert, aber probieren geht oft über studieren. Einfach ausprobieren.
Ansonsten wird eine blaue Orchidee nicht anders gepflegt, wie andere Phalaenopsis auch.

Fazit
Wer die blauen Orchideen mag und wem eine gekaufte einfach zu teuer ist, kann einmal probieren, ob es nicht selbst möglich ist, eine weiße Phalaenopsis zu färben. Ich muss zugeben, dass ich die blauen Exemplare überhaupt nicht mag. Sie sehen mir viel zu künstlich aus. Ich mag Orchideen und bin begeistert, was die Natur da an Formen und Farben hervorbringt. Das ist für mich völlig ausreichend. Ich kann jedoch nachvollziehen, dass jemand wissen möchte, ob und wie so eine Färberei funktioniert. Was ich bei der Recherche gelesen habe war oft vielversprechend. Mir täten die Pflanzen leid, aber wer mag, kann das Einfärben ja mal ausprobieren. Mit dem richtigen Know how scheint es ganz gut zu funktionieren. Blaue Lebensmittelfarbe ist nicht stark genug, diese extrem blauen Blüten hervorzubringen, aber ein helles blau wird es schon, mal mehr, mal weniger. Für die so sehr blauen Blüten braucht man sicher ein chemisches Mittel und das wird uns der Patentinhaber nicht verraten. Da hilft nur experimentieren und immer schon in den Foren informieren, was die lieben Mitbürger schon herausgefunden haben.