Riesen-Bärenklau, Herkulesstaude entfernen - Melden und Bekämpfen

RiesenbärenklauDer Riesen-Bärenklau, der auch Herkulesstaude oder Herkuleskraut genannt wird, ist ein Neophyt, also eine Pflanze, die sich ohne menschliches Zutun bei uns etabliert hat, obwohl sie hier nicht heimisch ist. Gerade der Bärenklau hat sich enorm ausgebreitet und das ist in den wenigsten Fällen erwünscht.

Ein Problem mit dem Bärenklau ist also seine Vermehrungswut und die schnelle Ausbreitung. Ein anderes ist, dass bei Hautkontakt und Sonneneinstrahlung oder Tageslicht bei Menschen schmerzhafte Quaddeln und Blasen entstehen können, ähnlich den Erscheinungen bei Verbrennungen. Der Bärenklau gehört deshalb zu den Giftpflanzen. Die Pflanze bildet photosensibilisierende Substanzen namens Furanocumarine, welche in Kombination mit Sonnenlicht phototoxisch wirken. Verwechslungsmöglichkeiten bestehen bei uns mit dem größeren Wiesen-Bärenklau und mit dem Engelwurz.


Bekämpfung - aber richtig

Die Bekämpfung der Herkulesstaude muss kontinuierlich und über mehrere Jahre hintereinander konsequent durchgeführt werden. Schon wenige vergessene Samenstände genügen, dass sich die Pflanze explosionsartig ausbreitet. Am besten bekämpft man von außen nach innen. Man fängt also mit den kleineren Beständen außerhalb des Zentrums an und arbeitet sich zum Kern der Pflanzen vor. Es dauert etwa drei bis vier Jahre, bevor der Bestand ausgerottet ist.

Schäden durch die Herkulesstaude

Oft liest man in der Presse reißerische Artikel über die Herkulesstaude. Panikmache ist aber eigentlich nicht notwendig. Wichtig zu wissen ist, dass man die Pflanze besser nicht berührt. Sie kann tatsächlich erhebliche gesundheitliche Schäden verursachen. Bloße Berührung kann böse Auswirkungen haben. Allerdings gibt es noch mehr Probleme, ganz anderer Art, auf die ich kurz eingehen möchte.
  • Gesundheitliche Schäden
  • Sichteinschränkungen im Straßenverkehr, allein durch die Höhe der Pflanzen an Straßenrändern
  • Erhöhte Erosionsgefahr am Rand von Fließgewässern
  • Erosionsgefährdung auch an Hängen von Hohlwegen
  • Wenn sich die Pflanze auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ausbreitet, ist sie eine absolut ernst zu nehmende Konkurrenz für Feldfrüchte
  • Geringes Artenspektrum durch die Beschattung der großen Pflanzen
  • Bedroht seltene Pflanzen
Gesundheitliche Risiken

HerkulesstaudeEin einfacher Kontakt mit den Blättern des Riesen-Bärenklaus reicht, dass die Haut Rötungen, Hautentzündungen, Reizungen und in schlimmen Fällen Wiesengräserdermatitis (entzündliche, schmerzhafte Blasenbildung) zeigen kann. Das geht bis zu großflächigen Verbrennungen ersten und zweiten Grades. Es können wochenlange nässende Wunden entstehen, mitunter mit anhaltenden Pigmentveränderungen. Auch Fieber, Schweißausbrüche und Kreislaufschock gehören häufig dazu.

Oft passiert anfangs nicht, sondern erst Tage später, wenn die Haut mit Sonnenlicht in Kontakt gekommen ist. Dann kann es aber richtig schlimm werden, bis hin zu einer akuten Bronchitis.

In einigen Fällen ist es auch schon passiert, dass Menschen, welche die Pflanze gar nicht direkt berührt haben, sondern sich nur in deren Nähe aufhielten, oben genannte Erscheinungen sowie Atemnot aufwiesen. Das war meist an besonders heißen Tagen der Fall.

Wenn man Kontakt mit der Bärenklau-Pflanze hatte, sollten betroffene Hautstellen mit Wasser und Seife gereinigt werden. Sonnenlicht ist unbedingt zu vermeiden. Sicherheitshalber sollte ein Arzt aufgesucht werden, auch wenn noch keine Symptome vorhanden sind.

Den Bärenklau erkennen

Der Riesen-Bärenklau ist eine zwei- oder mehrjährige krautige Pflanze, die drei bis vier Meter hoch wachsen kann. Diese Höhe erreicht sie schon innerhalb weniger Wochen. Der Stängel kann an der Basis einen Durchmesser von bis zu 10 cm erreichen. Typisch sind zahlreiche große dunkle oder weinrote Flecken auf seiner Oberfläche. Die Laubblätter können ebenfalls beträchtliche Ausmaße annehmen. Etwa einen Meter lange Blätter sind normal, sie werden aber bei günstigen Bedingungen bis zu 3 Meter lang (samt Blattstiel). Die Blätter sind drei-, fünf- bis neunteilig fiederschnittig geteilt.
Beachtlich sind auch die Blütenstände. Sie erreichen einen Durchmesser von 30 bis 50 cm. Eine einzige Dolde kann bis zu 80.000 Einzelblüten enthalten und bis 30.000 Samen produzieren. Die Blütenfarbe ist weiß. Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli.
Nach der Blüte stirbt die Pflanze ab. Überleben können nur Bärenklaupflanzen, die nicht zur Blüte kommen. Gehen die Pflanzen nach der Saison ein, ist das nicht tragisch, denn sie haben ja für ausreichend Nachschub gesorgt. Die Samen überleben jahrelang im Boden.

Sie keimen immer schon früh im Jahr, oft schon Mitte Februar. Da die jungen Pflanzen schnell und stark wachsen, entziehen sie konkurrierenden Pflanzen die Nahrungsgrundlage und das Licht. Sie können Anfang Mai schon knapp einen Meter hoch sein. Da haben einheimische Pflanzen oft keine Chance mehr. Die großen Blätter sorgen am Boden für Schatten und blockieren das Wachstum von anderen Pflanzen.

Bärenklaubestände melden?

RiesenbärenklauWenn man im Garten eine Bärenklaupflanze entdeckt, ist man als Eigentümer selbst verantwortlich, diese zu entfernen. Da muss nichts gemeldet werden. Es gibt ja auch Gartenbesitzer, die kultivieren einzelne Pflanzen, als Bienenweide oder ähnliches. Es ist nicht vorgeschrieben, in der Natur vorkommende Bestände irgendeiner Behörde zu melden, aber sicher nützlich, damit sich niemand an den Pflanzen verletzen kann. Man wendet sich an das zuständige Ordnungsamt, das Umweltamt, die Gemeinde oder Stadtverwaltung oder an die Untere Naturschutzbehörde, immer in der Hoffnung, einen kompetenten Ansprechpartner zu finden.

Bekämpfung des Riesen-Bärenklau

Wer denkt, mit Mähen den Bärenklau unter Kontrolle bringen zu können, der irrt. So einfach ist es leider nicht. Der Bärenklau speichert seine Stärke in einer rübenartigen Verdickung an der Basis des Sprosses und in den oberen Teilen der Wurzel. Dadurch kann die Pflanze zeitig im Jahr und mehrmals austreiben. Der Bärenklau gelangt also meist doch zur Blüte und kann sich vermehren. Auch wenn die Wurzel der Pflanze nach der Blütezeit abstirbt, es gibt jede Menge neue.

Man unterscheidet die Bekämpfungsmethoden nach den befallenen Flächen. Im Hausgarten wird anders gehandelt, als bei großflächigem Bärenklaubestand. Wichtig ist, möglichst früh im Jahr zu beginnen, wenn die Pflanzen noch niedrig und „zart“ sind. Spätestens im April sollte begonnen werden. Im Folgejahr muss es Nachkontrollen bzw. Wiederholungen der Aktionen geben.

Egal wo und wie man den Bärenklau bekämpft, wichtig ist Schutzkleidung. Dazu gehören auch Schutzbrille und ggf. ein Atemschutz. Bei hohen Beständen ist die Nutzung einer Astsäge mit Stiel empfehlenswert. So lassen sich Verletzungen durch die Nesselhaare vermeiden. Außerdem sollte nicht bei Sonnenschein gearbeitet werden, sondern nur bei bedecktem Himmel.

Bekämpfung im Hausgarten

Ein Abschneiden der Pflanzen ist leider nicht ausreichend. Auch eine wiederholte Mahd führt nicht zum Absterben. Es kommt eher zur Bildung von kleinen Blütenständen, einer sogenannten Notblüte. Mähen oder Abschneiden verlangsamt zwar eine Verbreitung der Pflanze, verhindert sie aber nicht.
  • Die ganze Pflanze muss ausgegraben werden.
  • Bester Zeitpunkt dafür ist der Vorfrühling und Frühling.
  • Alternativ Wurzel 15 cm unter der Erdoberfläche abstechen. Aus der restlichen Wurzel kann die Pflanze nicht mehr austreiben. Der untere Teil der Wurzel verrottet im Boden. Diese Maßnahme macht während der gesamten Vegetationsperiode Sinn. Allerdings ist diese Methode um so einfacher, je kleiner die Pflanzen sind. Auch ist dann die Möglichkeit von Hautkontakt geringer.
  • Achtung: Beim Hacken kann Pflanzensaft wegspritzen!!!
  • Regelmäßige Nachkontrollen und gegebenenfalls jede nachtreibende Pflanze beseitigen, samt Wurzel
  • Da der Bärenklau Sonne zum Gedeihen braucht, schadet man ihm, wenn man diese entzieht. Am einfachsten gelingt das durch ein Abdecken der Flächen mit schwarzen, undurchsichtigen Vliesen oder Planen.
  • Die Pflanzen mögen auch keinen sauren Boden. Wenn man den Boden sauer macht, haben Samen und Keimlinge keine Chance, sich zu normalen Pflanzen zu entwickeln.
  • Wenn der Bärenklau im Frühjahr nicht bekämpft wurde, ist es notwendig, die Blüten- bzw. Samenstände zu entfernen. Diese Bekämpfung ist mit gesundheitlichem Risiko verbunden
  • Es muss verhindert werden, dass die Samen ausfallen. Das kann man auch, indem man den ganzen Blütenstand von Einzelpflanzen einpackt, z.B. in eine dichte Folientüte. Die Pflanze stirbt ab und kann samt Tüte und Samen entsorgt werden.
  • Pflanzenschutzmittel sind für die Bekämpfung von Bärenklau im Hausgarten nicht zugelassen. 
Heracleum mantegazzianumBekämpfung großer Flächen
  • Mehrfaches Mähen und Mulchen, Fräsen und die Beweidung mit Kühen, Schafen und Ziegen
  • Pflanzenschutzmittel dürfen nur angewandt werden, wenn ein Sachkundenachweis erbracht und eine naturschutzbehördliche Ausnahmegenehmigung erteilt wurde.
  • Man setzt Herbizide ein, die über eine systemische Wirkung verfügen. Der Wirkstoff wird über die Blätter aufgenommen und bis zur Wurzel geleitet. Die gesamte Pflanze stirbt.
  • Besonders geeignet sind mittel mit dem Wirkstoff Triclopyr. Der Vorteil des Mittels ist, dass es nur auf zweikeimblättrige Pflanzen wirkt, nicht auf Gräser. Eine intakte Grasnarbe ist wichtig, um die Keimung der Samen des Bärenklau zu unterdrücken.
  • Mehrmaliges Fräsen und Pflügen mindestens 15 cm tief, vernichtet neu austreibende Sämlinge.
  • Anschließend sollten Gräser ausgesät werden, die schnell wachsen. Sie nehmen den Samen der Herkulesstaude Licht für die Keimung.
Fazit

Die Herkulesstaude ist gefährlich. Gerade wer Kinder hat, sollte sich nicht auf Kompromisse einlassen. Die Staude muss aus dem Garten verschwinden. Nur kontinuierliche Bekämpfung hilft, die Pflanze dauerhaft zu tilgen. Wichtig ist, sich zu schützen, den ganzen Körper und am besten auch die Atemwege. Am sichersten ist, die ganze Pflanze aus dem Boden zu reißen oder die Wurzel in 10 bis 15 cm schräg durchzutrennen. Man muss monatlich nachkontrollieren, ob nicht doch ein Neuaustrieb erfolgt ist oder ob Sämlinge aufgegangen sind. Wenn, dann müssen sie auch entfernt werden. Jeden Monat muss diese Kontrolle erfolgen. Auch in den folgenden Jahren muss man am Ball bleiben. Die Samen können im Boden recht lange überdauern. Alles muss entfernt werden. Unregelmäßiges Mähen, Abschlagen und Blütenabschneiden sind als Bekämpfungsmaßnahmen ungeeignet.

Auf den Bärenklau kann man auch auf einem Spaziergang durch die Natur stoßen. Dann ist es wichtig, Kinder und Hunde fern zu halten. Am besten, niemand kommt mir der Pflanze irgendwie in Kontakt.
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Tipps für Schnellleser
Bärenklau, Herkulesstaude entfernen

- Riesen-Bärenklau – Neophyt mit schlechten Gewohnheiten
- Breitet sich extrem aus und verursacht bei Berührung Verletzungen
- Besonders schlimm sind die Auswirkungen bei Sonnenschein.
- Bekämpfung über Monate und Jahre – kontinuierlich und konsequent
- Die Pflanzen können verschiedene Schäden verursachen – siehe auch ausführlicher Text
- Allen voran gesundheitliche Schäden, auch schlimmeren Ausmaßes
- Bärenklau erkennen – sehr groß mit riesigen Blütendolden, bis 4 Meter Höhe
- Blätter drei-, fünf- oder bis neunteilig fiederschnittig geteilt
- Bärenklau nicht meldepflichtig, aber empfehlenswert
- Bekämpfung wichtig, im Hausgarten und im freien Land
- Im Garten jeder selbst eigenverantwortlich
- Am besten ausgraben oder die Wurzel 10 bis 15 cm tief in der Erde schräg abstechen
- Bekämpfung im Vorfrühling oder Frühling
- Am einfachsten bei kleineren Pflanzen
- Beim Hacken auf Pflanzensaft achten
- Immer Schutzkleidung tragen, langärmlig, durchgehend, Stiefel, Schutzbrille und evtl. Atemschutz
- Regelmäßige Nachkontrollen 
- Bei Keimlingen oder auch größeren Pflanzen immer gleich ausreißen
- Immer am Ball bleiben – Bekämpfung dauert 3 bis 4 Jahre
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