Kleine rote Spinnen an Pflanzen richtig bekämpfen

Kleine rote SpinneDie kleinen roten Spinnen, die gern an Zimmerpflanzen und manchmal auch im Garten auftreten, sind Spinnmilben. Von diesen gibt es mehrere Arten, unter anderem die Rote Spinne (Panonychus ulmi). Spinnmilben sind gemeine Schädlinge, welche große Schäden an Pflanzen anrichten können.

Die Rote Spinne wird auch Obstbaumspinnmilbe genannt. Sie befällt besonders gern Weinreben, Apfel- und Birnenbäume, Pflaume, Stachel- und Johannisbeere. Wissen muss man, das es noch einen ähnlich aussehenden Schädling gibt und die beiden oft verwechselt werden. Es handelt sich dabei um die Rote Samtmilbe. Die gehört aber in eine andere Gattung.





Gegenmaßnahmen

Spinmilben sind nur schwer zu bekämpfen. Die Rote Spinne macht da keine Ausnahme. Wichtig ist, den Befall so früh wie möglich zu entdecken und beizeiten Gegenmaßnahmen einzuleiten. Je mehr sich diese Schädlinge ausbreiten können, um so schwieriger wird es, sie wieder loszuwerden.

Die Rote Spinne überwintert im Eistadium und sitzt deshalb schon vor Ort, sobald es im Frühjahr warm wird. Dann schlüpfen die meisten Spinnmilben schon aus und sind dann ab Mai, spätestens ab Juni geschlechtsreif und beginnen mit der Vermehrung. Die Plage beginnt.

Die Weibchen der Roten Spinne sind etwa einen halben Millimeter winzig und ziegelrot. Sie haben auf dem Rücken ganz charakteristische weiße Borsten, die man freilich mit bloßem Auge nicht erkennen kann. Dazu benötigt man mindestens eine gute Lupe oder ein Mikroskop mit guter Auflösung. Ein Weibchen legt etwa 20 bis 40 Eier, aber das mehrmals im Jahr, bis zu sieben Generationen wachsen heran. Die Eier werden in kleinen Gruppen auf der Unterseite von Blättern abgelegt. Sie sind extrem klein. Nur größere Gruppen kann man unter der Lupe erkennen.

Wie findet und erkennt man den Befall mit der Roten Spinne?

Zu erkennen sind die Schädlinge daran, dass schon nach dem Austrieb zunächst erst einmal dunkle Blattzipfel zu bemerken sind. An frisch entfalteten jungen und zarten Blättern sind dunkle Stichstellen zu sehen, freilich am besten unter dem Vergrößerungsglas. Die Blätter entwickeln sich kaum weiter, bleiben klein, wölben sich nach oben und fallen schließlich ab. Im Sommer verfärben sie sich bronze-braun.

Wenn man den Verdacht hat, dass diese Spinnmilben ein Gewächs bevölkern, sollte man eine Sprühflasche mit Wasser nehmen und die Triebspitzen, die besonders gern befallen werden, ganz leicht einsprühen, bzw. nur über diesen Flächen sprühen. Wenn sich die Wassertröpfchen setzen, werden die sehr feinen und zarten Netze sichtbar, welche die Spinnen bilden. Die kleinen Sprühtröpfchen bleiben an ihnen hängen und machen sie sichtbar. Oft kann man erkennen, dass die ganze Triebspitze eingewebt ist. Mit bloßem Auge sieht man das feine Gespinst meist nicht, erst wenn es Ausmaße annimmt und dann ist der Befall schon sehr groß.

Vorbeugung

Dagegen, dass die Schädlinge einwandern, kann man nicht viel tun. Allerdings kann man die Pflanzen stärken, damit sie mit einem Befall besser umgehen können, einfach besser gerüstet sind, wenn sie befallen werden. Sie machen dann nicht so schnell schlapp. Geeignet sind Pflanzenstärkungsmittel wie Brennnesseljauche oder Schachtelhalmbrühe. Damit werden die Pflanzen bespritzt. Die beiden Mittel lassen sich relativ einfach herstellen.

Gegenmaßnahmen

Egal, was man tut, es geht darum, schnell zu arbeiten. Der Befall muss rechtzeitig erkannt werden, sollen Gegenmaßnahmen Wirkung zeigen. Je länger die Roten Spinnen eine Pflanze schädigen können, um so schwieriger ist die Bekämpfung und um so unwahrscheinlicher ist das Überleben der Pflanze.

Ich habe viel und reichlich recherchiert und die unterschiedlichsten Mittel und Meinungen darüber gefunden. Was man wissen sollte ist glaube ich, dass Spinnmilben, zu denen die Rote Spinnen nun einmal gehört, sehr speziell sind. Es sind Spinnentiere. Sie gehören zwar zu den Insekten, werden aber besser mit einem Akarizid, als mit einem Insektizid bekämpft. Akarizide sind Pestizide oder Biozide speziell zur Bekämpfung von Milben und Zecken. Sie werden auch im gewerblichen Anbau verwendet, vor allem im Obst-, Wein- und Gartenbau.

Natürliche Feinde

FlorfliegeNatürliche Fressfeinde sind ideal, um die Rote Spinne einzudämmen. Zu ihnen gehören Raubmilben, Raubwanzen, Florfliegen und Marienkäfer. Indem man diese Insekten fördert, bekämpft man gleich Schädlinge im Garten.

Abspritzen mit Wasser

Es ist absolut empfehlenswert, die befallene Pflanze erst einmal abzuduschen, egal ob Zimmerpflanze oder Obstbaum. Wichtig ist ein harter Wasserstrahl und das die Blätter von unten bespritzt werden, denn die Spinnmilben sitzen meist an den Unterseiten. So wird schon mal ein großer Teil der Insekten einfach weggeschwemmt. Es ist auch nicht schlimm, wenn dabei Blätter abfallen, das hätten sie in kürzester Zeit auch ohne Wasserstrahl getan. Bei Zimmerpflanzen ist es empfehlenswert, die Erde abzudecken, den ganzen Topf vorzugsweise in eine Tüte zu stecken und sie am Stamm zuzubinden. Schädlinge fallen oft bei falscher Pflege über die Zimmerpflanzen her, meist, wenn der Topf zu nass steht. Durch das Duschen würde das Substrat nur noch nässer werden, also den Topf schützen! Im Garten kann man den Wasserstrahl einfach draufhalten, da gibt es nichts zu verpacken. Das Wasser fliest ab.

Spritzen

Da man mit dem Wasserschlauch längst nicht alle Schädlinge eliminieren kann, folgt Schritt zwei. Hier kommen Spritzmittel zum Einsatz. Mit deren Hilfe sollen auch die Eier und Larven bekämpft werden. Hier ist die Kontaktwirkung entscheidend. Die roten Krabbeltiere müssen direkt angesprüht werden oder der Wirkstoff wird durch Berührung mit der behandelten Blattoberfläche aufgenommen. Auch kann das Gift durch Fressen oder Saugen der Blattteile aufgenommen werden. Das Problem mit den einzelnen Mitteln und Bekämpfungsschritten ist, dass kaum eines gegen alle Entwicklungsstadien hilft. Irgendeine Gruppe der Schädlinge bleibt immer übrig und entwickelt sich weiter. Deshalb sind Spinnmilben auch so schwer zu bekämpfen. Befallene Pflanzen müssen deshalb sechs Wochen lang wöchentlich einmal behandelt werden. So tötet man immer die frisch geschlüpften Larven ab, sie kommen nicht dazu, sich zu vermehren. Nach 6 Wochen ist der Zyklus zu Ende, man sollte alle Roten Spinnen erwischt haben.

Wenn man diese Wochen nicht durchhält und die Behandlung zu Ende bringt, hat das schlimmere Folgen, als wenn man sie gar nicht durchführt. Die Insekten werden nämlich resistent gegen das Mittel. Dann kann man sie damit nicht mehr bekämpfen, bzw. hat es keinen Effekt. Da das aber auch schon passiert sein kann, empfehlen Fachleute, nicht nur ein Mittel zu verwenden, sondern besser zwei oder drei und diese abzuwechseln.

Viele Pflanzen kommen mit den Spritzmitteln und ihren Auswirkungen schlecht zurecht. Außerdem kommt man nie an alle Pflanzenteile heran und erwischt nie alle Spinnmilben. Ich bin kein großer Freund der Spritzmittel, da sie oft auch zu Lasten anderer Insekten gegen, dabei viele Nützlinge. Die chemischen Mittel machen meist keinen Unterschied zwischen Freund und Feind.

Welche Spritzmittel sind geeignet?

Es gibt zahlreiche Mittel, aber auf dem Markt wechseln sie auch schnell. Das liegt daran, dass neue Verordnungen erlassen werden und die Mittel, bzw. deren Inhaltsstoffe nicht mehr zugelassen werden. Dafür gibt es dann recht schnell neue. Man muss sich da einfach schlau machen, was im Moment so angeboten wird.
  • Mit Phosphorsäureestern – Oleo-Phosphorsäureester hilft gegen zahlreiche Milben, auch die Rote Spinne. Wirkt auch gegen andere Stechinsekten, wie die Blattlaus. Gegen diese Mittel bilden sich recht schnell Resistenzen.
  • Spezielle Akarizide – z.B. Kanemite ® - wirkt außer gegen die Eier der Roten Spinnen und schont dabei Raubmilben, die Pflanze muss vollständig benetzt werden. Die Flüssigkeit enthält ein Haftmittel (Netzmittel) und tropft deshalb nicht von den Blättern und der Pflanze ab. Muss angemischt werden, das Haftmittel wird extra beigegeben, so habe ich es verstanden. Hilft nur am Anfang der Saison. Seit Oktober 2013 sind Mittel welche Akarizide enthalten, nicht mehr offiziell im Handel erhältlich. Man bekommt nur noch Restbestände. Diese Maßnahme dient dem Schutz der Bienen. Welche Mittel betroffen sind (es sind viele) unter: www.bvl.bund.de/DE/04_Pflanzenschutzmittel/05_Fachmeldungen/2013/2013_07_12_Fa_Aenderung_Neonicotinoide.html
  • Naturen Pflanzenspray Hortex Neu – Inhaltsstoffe – Nazur-Pyrethrum und Piperonylbutoxid, wirkt auch gegen Eier, bienengefährlich - 400 ml etwa 7 bis 10 Euro
  • Spruzit schädlingsfrei – Inhaltsstoffe – Natur-Pyrethrine und Rapsöl, auch gegen Larven und Eier, 250 ml ab etwa 7 Euro
  • Bio Schädlingsfrei Neem – Inhaltsstoffe – Azadirachtin A = natürlicher Neem-Kern-Extrakt – nur im Erwerbsgartenbau zugelassen, teilsystemische Wirkung, 60 ml etwa 10 Euro
  • Pritex Spinnbilben- und Weiße Fliege-Stop – vorbeugendes Mittel, mehr zur Pflanzenstärkung – 500 ml etwa 10 Euro
  • Lizetan Plus Zierpflanzenspray – Inhaltsstoffe – Thiacloprid und Methiocarb, für Zimmer- und Freilandpflanzen – 400 ml etwa 8 Euro
  • Zenar (Maag Profi) – ein Mittel aus der Schweiz, gegen alle Sommerstadien der Spinnmilben, Wirkstoff Tebufenpyrad
Systemisch wirkende Mittel

Systemisch wirkende Mittel werden entweder dem Gießwasser beigegeben oder auf die Blätter gespritzt. Diese Mittel werden von der Pflanze direkt aufgenommen, durch die Wurzel oder die Blattoberfläche und durch die gesamte Pflanze geleitet. Wenn die Spinnentiere die Pflanze anstechen und aussaugen, nehmen sie das Gift mit auf und verenden. Es ist egal, wo sie die Pflanze anstechen, das Gift ist überall, ganz im Gegensatz zum Spritzmittel. Das gelangt nicht überall hin.

Besonders empfehlenswert ist Vertimex, ein Mittel mit dem Wirkstoff Abamectin. Es ist allerdings für den erwerbsmäßigen Anbau vorgesehen. Es gibt allerdings auch andere Mittel für den Hobbygärtner, mit dem selben Wirkstoff. Dort ist dieser aber nur in einer verschwindend geringen Konzentration drin. Sie wirken nicht annähernd so gut.

Es gibt nicht mehr viele systemisch wirkende Mittel. Viele wurden vom Markt genommen, bzw. sind nicht für den Hobbygärtner zugelassen.
  • Vertimec – eigentlich für den gewerblichen Anbau, Akarizid, Emulsionskonzentrat mit Abamectin (von einem natürlichen Boden-Mikroorganismus abgeleiteter Wirkstoff), besonders hohe Wirkungsstärke, gute Tiefenwirkung (bleibt lange in der Pflanze erhalten), geruchlos und hinterlässt keine Spritzflecken, teuer – 250 ml etwa 85 Euro, allerdings ist Vertimec ein Konzentrat, es muss sehr stark verdünnt werden. Die anderen Mittel sind schon verbrauchsfertig, können gleich genutzt werden. Ich empfehle, sich mit mehreren Personen zusammen eine Flasche Vertimec zu teilen, jeder 25 ml, geht der Preis durch 10, hat man immer noch genug und kommt am Ende preiswerter, als mit den bereits verdünnten Flaschen und die Wirkung ist deutlich besser. Das dieses Mittel nicht für den Hobbygärtner zugelassen ist, bedeutet nicht, dass man es nicht kaufen kann. Im Internet gibt es mehrere Anbieter.
  • Pentac – Wirkstoff Dienochlor, wirkt verzögert, speziell gegen Milben, nicht in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältlich.
Beste Zeit zum bekämpfen ist, wenn die Milben im zeitigen Frühjahr aus ihren Eiern schlüpfen. Wenn an die erste Generation ausrottet, bevor sie abgelaicht hat, können sich keine weiteren entwickeln. Es können zwar immer noch Schädlinge einwandern, aber dagegen ist man einfach machtlos.

Zimmerpflanzen

Hoya WachsblumeAuch Zimmerpflanzen werden gern von der Roten Spinne heimgesucht. Besonders Anthurien, Schusterpalmen, Begonien, Buntnesseln, Gardenien, Hibiskus, Wachsblumen, Primeln, Usambaraveilchen und Cinerarien sind bedroht. Chemische Bekämpfungsmittel schädigen die Pflanzen meist mehr als die Rote Spinne das vermag. Deshalb ist es sinnvoll, erst einmal die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Das mögen die kleinen Krabbeltierchen nämlich nicht. Allerdings muss man aufpassen, die Erde nicht nass zu machen. Außerdem mögen nicht alle Pflanzen das Besprühen.

Hartlaubige Zimmerpflanzen wie der Gummibaum können mit Präparaten auf Rapsöl-Basis behandelt werden. Das Öl verklebt die Atemöffnungen der Schädlinge, allerdings auch die Poren der Blätter. Es ist also ein zweischneidiges Schwert und darf nur bei wenigen Pflanzen genutzt werden und auch nur bei anfänglichem, schwachen Befall.

Was man sich sparen kann:
  • Ölhaltige Mittel – zumindest auf nicht hartlaubigen Gewächsen, da das Öl nicht nur die Atemöffnungen der Schädlinge verklebt und verschließt, sondern auch die der Pflanzen.
  • Raubmilben im Haus – sie helfen meist nur kurzzeitig.
  • Das Besprühen mit Seifenlauge oder ähnlichem beseitigt das Problem nicht, es dämmt es nur kurzzeitig ein. Es ist keine dauerhafte Lösung, da es keinesfalls gegen die Eier wirkt.
  • Die befallene Pflanze in einen Beutel stecken, besprühen, zubinden und so ein Mikroklima mit hoher Luftfeuchte erzeugen, bringt auch nicht viel, da auch hierbei die Eier keinen Schaden nehmen. Auch sterben die Spinnmilben nicht, sie fühlen sich nur nicht wohl so.
  • Auch die meisten biologischen Mittel helfen nicht, da sie auch nicht gegen die Eier wirken. Ausnahmen: Niemprodukte, Mittel auf Chrysanthemenextraktbasis oder ähnliches.
Fazit

Die Rote Spinne ist ein Ärgernis. Sie macht viele Pflanzen kaputt und ist nur schwer zu bekämpfen. Hat man endlich ein Mittel gefunden, kann es passieren, dass es beim nächsten Kaufversuch schon wieder vom Markt verschwunden ist. Man muss viel ausprobieren und auch die Produkte wegen der Resistenzen wechseln und austauschen. Die Rote Spinne gehört zu den hartnäckigsten Schädlingen überhaupt. Ich bin sehr froh, dass sie bei mir so gut wie nicht mehr auftritt. Vor Jahren hatte ich auch Probleme mit den kleinen fiesen Dingern.


Tipps für Schnellleser
Kleine rote Spinnen bekämpfen

- Rote Spinne – gehört zu den Spinnmilben
- Nicht verwandt mit der Roten Samtmilbe.

Befall erkennen 
- Dunkle Blattzipfel gleich nach dem Austrieb
- Stichstellen an jungen Blättern (Lupe)
- Blätter verfärben sich bronze-braun

Blattfall
- Triebspitzen ganz wenig mit feinem Wasser besprühen – dann werden die Gespinste sichtbar, die sonst nicht zu sehen sind
- Verbeugen mit Pflanzenstärkungsmitteln
- Gegenmaßnahmen schnell einleiten, sonst sehr schwierig zu bekämpfen
- Besser als Insektizide wirken Akarizide
- Diese sind aber nicht mehr zugelassen
- Pflanzen gründlich mit Wasser abspülen, am besten mit hartem Wasserstrahl
- Danach Behandlung mit speziellen Spritzmitteln
- Spritzen 6 Wochen lang, immer einmal wöchentlich
- Wichtig, um alle Schädlinge zu erwischen
- Pflanzen leiden oft unter den Mitteln
- Ausführliche Liste der Mittel – siehe ausführlicher Text
- Systemisch wirkende Mittel – dringen in Pflanzen ein
- Werden von den Insekten direkt aufgenommen
- Wirken gut, sind aber schwer zu bekommen
- Viele Mittel dürfen nicht mehr verwendet werden- Bienenschutz
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