Raubmilben - Spinnmilben biologisch bekämpfen

Oleander im TopfDie Spinnmilbe gehört zu den Spinnentieren und zu den am schwierigsten zu bekämpfenden Pflanzenschädlingen überhaupt. Mit bloßem Auge ist sie kaum zu erkennen. Zu einem Spinnmilbenbefall kann es sowohl an Zimmerpflanzen als auch an Gewächshaus-, Wintergarten- oder Freilandkulturen kommen. Je schneller man einen Befall bemerkt und mit der Bekämpfung beginnt, desto weniger Schaden kann die Spinnmilbe anrichten und desto so schneller ist man ihn wieder los.

Zur Bekämpfung bietet der Handel sowohl chemische Mittel als auch verschiedene Nützlingsarten an. Die Chemiekeule sollte bestenfalls immer erst dann zum Einsatz kommen, wenn alles andere erfolglos geblieben ist. Zu den im Handel erhältlichen Nützlingen gehören u.a. auch die Raubmilben.

Genauso wie es unterschiedliche Spinnmilbenarten gibt, gib es auch zahlreiche Raubmilbenarten, die teilweise gegen verschiedene Pflanzenschädlinge eingesetzt werden können. Zur Bekämpfung der Spinnmilbe eignen sich z.B. mehrere Amblyseius- Arten sowie die Art Phytoseiulus persimilis, wobei Letztere der natürliche Feind der Gemeinen Spinnmilbe ist.





Phytoseiulus persimilis gegen Spinnmilben

Spinnmilben vermehren sich sehr schnell. Unter optimalen Bedingungen, bei Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad, vermehren sich allerdings auch die Raubmilben, und zwar wesentlich schneller als die Spinnmilben. Eine Raubmilbe der Art Phytoeiulus persimilis saugt pro Tag bis zu fünf Milben, 20 Eier oder zwischen 10 und 20 Larven aus. Ist der Befall noch nicht zu stark, kann eine Bekämpfung mit dieser Raubmilbe recht schnell erfolgreich sein, zumal diese Raubmilbenart sich ausschließlich von Spinnmilben ernährt.

Sie wird je nach Hersteller, entweder in einem Trägermaterial wie z.B. einem Granulat (Vermiculit) oder auf Bohnenblättchen geliefert. Die Bohnenblättchen enthalten pro Packung jeweils 1.000 Tiere, sowohl Eier und Jungtier als auch erwachsene eiablagefähige Raubmilbenweibchen. In einer Packung Granulat sind in der Regel nur Raubmilben im erwachsenen Stadium enthalten und davon etwa 100 Stück.

Handhabung dieser Raubmilben

Die Raubmilbenart Phytoeiulus persimilis ist mit 0,6 mm Länge sehr klein und mit bloßem Auge so gut wie nicht zu erkennen. Sie sollte nach der Anlieferung möglichst unverzüglich an Ort und Stelle ausgebracht werden. Ist das nicht möglich, können die Raubmilben noch maximal drei Tage im Kühlschrank, bei Temperaturen zwischen 8-12 Grad aufbewahrt werden.

Ausgesetzt werden kann diese Raubmilbenart auf allen Pflanzen, und zwar ausschließlich in geschlossenen Räumen wie z.B. in Wintergärten oder im Gewächshaus. In Wohnräumen ist der Einsatz dieser Raubmilbenart nicht sinnvoll. Das liegt daran, dass in Wohnräumen in der Regel keine für diese Raubmilbe ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit gewährleistet werden kann.

Die Umgebungstemperatur sollte idealerweise zwischen 20 und 27 Grad und die Luftfeuchtigkeit mindestens 65 Prozent betragen. Der beste Zeitpunkt, die Raubmilbe Phytoeiulus persimilis auszubringen, ist der frühe Morgen oder der Abend. Das Auslegen bei starker Sonneneinstrahlung sollte auf jeden Fall vermieden werden.

Bohnenblättchen ausbringen
  • Diese sollten in das beschattete Pflanzeninnere befallener Pflanzen gelegt werden.
  • Dabei sollte man es unbedingt vermeiden, auf die Blättchen zu fassen.
  • Wenn möglich sollte man diese lediglich an den Rändern.
  • Eine Berührung nur mit den Fingerspitzen wäre ideal.
  • Nach dem Ausbringen der Raubmilben beginnen diese sofort damit, die Spinnmilben auszusaugen.
  • Jede Raubmilbe tötet etwa 200 Jungtiere und Eier oder 50 erwachsene Spinnmilben. 
Granulat ausbringen

Das Wasser speichernde Granulat mit der Raubmilbe Phytoeiulus persimilis befindet sich in kleinen Pappröhrchen. Wichtig ist, dass diese erst an ihrem Bestimmungsort, also an der befallenen Pflanze geöffnet werden. Dazu benötigt man zudem mehrere befeuchtete Küchentücher.

An der betreffenden Pflanze wird das Röhrchen vorsichtig aufgeschüttelt und dann der komplette Inhalt des Röhrchens auf die feuchten Küchentücher entleert. Diese Küchentücher werden dann auf die Blätter der jeweiligen Pflanze gelegt, sodass die Raubmilben von dem Küchentuch auf die Pflanze gelangen können.
Sowohl die Küchentücher als auch das leere Röhrchen verbleiben dann über Nacht an bzw. in der Pflanze. Nun ist es wichtig, für eine ausreichende Luftfeuchtigkeit zu sorgen. Bestenfalls besprüht man die Pflanzen gelegentlich, gegebenenfalls zwei bis dreimal am Tag, vor allem an besonders heißen Tagen. Bei der Verwendung von Raubmilben im Gewächshaus ist es zudem wichtig, neben den Pflanzen auch den Boden im Gewächshaus zu befeuchten.

Zusätzliche Maßnahmen bei starkem Befall

GrünlilieBei einem akuten Befall ist es ratsam, die Wirkung dieser Raubmilben durch zusätzliche Spritzmittel zu unterstützen. Diese sollten jedoch immer ein bis zwei Tage vor den Raubmilben eingesetzt werden und auf keinen Fall währenddessen. Zudem ist unbedingt auf die Inhaltsstoffe zu achten.

Mittel mit Insektiziden wie beispielsweise Pyrethroiden sind komplett ungeeignet, da sie auch die Nützlinge töten würden. Geeignet sind Präparate mit Rapsöl, Paraffinöl und Kaliseife. Diese Inhaltsstoffe sind für die Raubmilbe ungefährlich. Sie haben die Aufgabe, die Spinnmilben zu benetzten, sodass diese ersticken. Würden diese Mittel erst nach dem Ausbringen der Raubmilben eingesetzt werden, würden auch die Raubmilben ersticken.

Etwa zwei Tage nach der Behandlung mit derartigen Mitteln können dann die Raubmilben zum Einsatz kommen. Unterstützend können zusätzlich Florfliegenlarven ausgesetzt werden. Nach etwa drei bis vier Wochen hat sich der Befall in der Regel deutlich reduziert.

Folgebehandlung mit Ambyseius californicus

Um auch versteckt sitzende Eier und Larven der Spinnmilbe zu erwischen, ist es ratsam, nach dem Einsatz der Raubmilbe Phytoeiulus persimilis eine weitere Raubmilbenart einzusetzen, die Ambyseius californicus. Diese ernährt sich neben anderen Schädlingen und Pollen auch von Spinnmilben.

Da sich diese Raubmilbe notfalls auch mit Spinnmilben-Restbeständen zufriedengibt, ist es ratsam, sie nach einer Behandlung mit der Raubmilbe Phytoeiulus persimilis zusätzlich einzusetzen. Ambyseius californicus kommt relativ lange ohne Nahrung aus und harrt so lange aus, bis auch die letzten Milben geschlüpft und vertilgt sind, und kann dementsprechend einer erneuten Schädlingspopulation vorbeugen.

Die Raubmilbe Ambyseius californicus kommt auch dort zum Einsatz, wo es unmöglich ist, eine Luftfeuchtigkeit von 60-70 Prozent dauerhaft zu gewährleisten, wie beispielsweise in Wohnräumen. Im Gegensatz zu Phytoeiulus persimilis kommt diese Raubmilbe auch sehr gut mit trockener Luft zurecht und das über einen längeren Zeitraum. Zudem verträgt sie Innentemperaturen von bis zu 35 Grad.

Unterstüzung durch weiteren Nützling
  • Die Bekämpfung kann durch den Einsatz weiterer Nützlinge intensiviert werden.
  • Einer wäre z.B. die räuberische Gallmücke Feltiella acarisuga.
  • Sie wird im Zierpflanzen- und Gemüseanbau gegen die Spinnmilbe eingesetzt.
  • Dieser Nützling kann in relativ kurzer Zeit eine sehr große Anzahl Spinnmilben vertilgen.
  • Dementsprechend wird sie häufig zusätzlich zu den Raubmilben ausgebracht.
Wirksamkeit von Raubmilben

Die Wirkung biologischer Schädlingsbekämpfung, zu der auch Nützlinge wie beispielsweise Raubmilben gehören, erfordert meist etwas mehr Geduld, da sich hier der Erfolg in der Regel erst etwas später einstellt, im Gegensatz zu chemischen Insektiziden. Nützlinge wie die Raubmilben benötigen zur erfolgreichen Schädlingsbekämpfung meist mehrere Wochen.

Zudem ist häufig ein wiederholter Einsatz dieser natürlichen Helfer erforderlich. Allerdings kann nur dann eine bestmögliche Wirkung erzielt werden, wenn mit der Bekämpfung so früh wie möglich begonnen wird. Das kann man beispielsweise erreichen, indem man seine Pflanzen regelmäßig auf einen möglichen Befall kontrolliert, um gegebenenfalls rechtzeitig entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Vorteile eines Raubmilbeneinsatzes

Ein entscheidender Vorteil des Einsatzes von Raubmilben oder Nützlingen allgemein, ist die rein biologische Schädlingsbekämpfung. Im Gegensatz zum Einsatz chemischer Insektizide besteht hier keinerlei Gefährdung sowohl von Mensch und Tier als auch der Pflanze. Es bleiben weder schädliche Rückstände auf der Pflanze noch auf der Erde zurück und auch die Umwelt wird nicht belastet.

Der Einsatz an Gemüsekulturen hat zudem den Vorteil, dass keine längeren Wartezeiten eingehalten werden müssen. Andere Nützlinge werden geschont und die Anwendung erfordert keinen zusätzlichen Aufwand oder spezielle Hilfsmittel.

Schadbild bei einem Spinnmilbenbefall

Spinnmilben sitzen vor allem an den Blattunterseiten, nahe der Blattadern der Pflanzen und breitet sich sehr schnell aus. Sie saugen den Pflanzensaft, wodurch die Nährstoffzufuhr der Blätter unterbrochen wird, was wiederum die Pflanze stark schwächt und schlimmstenfalls zum kompletten Verlust der betreffenden Pflanze führen kann.

Zunächst sind auf den Blättern weißliche bis gelbliche Flecken zu sehen. Im weiteren Verlauf verdichten sich diese Flecken und die Triebspitzen der Pflanze sind mit feinen Gespinsten überzogen. Die Blätter verfärben sich graubraun und vertrocknen schließlich. Wenn man die betreffenden Pflanzen mit Wasser besprüht, kann man die Gespinste sehr gut erkennen.

Spinnmilben vorbeugen

Damit sich die Spinnmilbe erst gar nicht ausbreiten kann, ist die richtige Pflege der Pflanzen unerlässlich. Spinnmilben treten, aufgrund trockener Heizungsluft, besonders häufig in der kühleren Jahreszeit auf. Was sie gar nicht mögen, ist ein feuchtes und nasses Klima.

Um dem gegebenenfalls zu entsprechen, ist es wichtig, die Luftfeuchtigkeit dementsprechend zu erhöhen. Das kann man durch Besprühen der Pflanzen erreichen oder durch Verdunster, die man im Zimmer aufhängt oder aufstellt.

Spinnmilben befallen vor allem geschwächte Pflanzen. Deshalb ist es besonders wichtig, die Pflanzen zu stärken, beispielsweise durch eine entsprechende Düngung. Der verwendete Dünger sollte jedoch nur einen geringen Anteil Stickstoff enthalten.

Ebenso wichtig wie die richtige Düngung, ist der Standort der Pflanze. Dieser sollte sich möglichst nicht unmittelbar neben der Heizung befinden, luftig sein und über ausreichend Licht und Luftfeuchtigkeit verfügen. Die Pflanzen sollten auch nicht zu dicht nebeneinanderstehen.

Weitere Raubmilbenarten

Amblyseius andersonii - Diese Raubmilbe kann zur Bekämpfung unterschiedlicher Schädlinge eingesetzt werden, darunter auch verschiedene Spinnmilbenarten wie z.B. die Gemeine Spinnmilbe, die Buchsbaumspinnmilbe oder die Obstbaumspinnmilbe. Sie eignet sich für den Einsatz im Freiland sowohl im Obst- und Gemüseanbau als auch für Schnittblumenkulturen und den Unterglasanbau. Je nach Befallsstärke muss der Einsatz dieser Raubmilben nach etwa ein bis zwei Wochen ein weiteres Mal wiederholt werden.

Amblyseius degenerans - Die Amblyseius degenerans ist deutlich größer als andere Raubmilben der Amblyseius- Arten. Sie wird neben anderen Schädlingen auch gegen die Gemeine Spinnmilbe eingesetzt, vor allem an Gemüsepaprika. Auch hier muss nach etwa ein bis zwei Wochen ein wiederholter Einsatz dieser Raubmilbe erfolgen.

Typhlodromus pyri - Bei der Typhlodromus pyri handelt es sich um eine heimische Art, die sich von verschiedenen Spinnmilbenarten und von Pollen ernährt. Sie wird speziell im Wein- und Obstbau eingesetzt. Für den Einsatz unter Glas ist sie nicht geeignet.

Fazit

Die Spinnmilbe ist einer der robustesten und hartnäckigsten Pflanzenschädlinge. Trotz allem ist es in der Regel nicht erforderlich chemische Mittel zur Bekämpfung einzusetzen, da sich mit dem Einsatz von Nützlingen, wie z.B. der Raubmilbe ausreichend biologische, umweltverträgliche Alternativen bieten. Hier sind vor allem die Raubmilbenarten Phytoeiulus persimilis und Ambyseius californicus zu erwähnen, die speziell gegen Spinnmilben sowohl einzeln als auch in Kombination, sehr wirkungsvoll sind.


Tipps für Schnellleser
Raubmilben gegen Spinnmilben einsetzen

- Raubmilben gehören zu den Nützlingen.
- Sie werden zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt.
- Zu diesen Schädlingen gehört u.a. die Spinnmilbe.
- Die Spinnmilbe ist ein sehr hartnäckiger Pflanzenschädling.
- Zu erkennen ist er an feinen Gespinsten an den Blattachseln.
- Wenn man die Pflanze mit Wasser besprüht, kann man diese sehr gut erkennen.
- Gegen die Spinnmilbe wird am häufigsten die Raubmilbe Phytoeiulus persimilis eingesetzt.
- Sie vertilgt erwachsene Spinnmilben sowie deren Eier und Larven.
- Ein zusätzlicher Einsatz der Raubmilbe Ambyseius californicus ist empfehlenswert.
- Sie beseitigt auch noch die letzten Spinnmilbenbestände.
- Der Erfolg eines Nützlingseinsatzes stellt sich in der Regel etwas später ein als bei chemischen Mitteln.
- Trotz allem haben Nützlinge gegenüber der Chemiekeule nur Vorteile.
- Sie bekämpfen Schädlinge, ohne irgendwelche Schäden zu verursachen.
- Man kann einem Spinnmilbenbefall natürlich auch vorbeugen.
- Dazu sollte immer für ausreichende Luftfeuchtigkeit gesorgt werden, vor allem im Winter.
- Auch der richtige Standort spielt eine wichtige Rolle.
- Es sollten nur Dünger mit einem geringen Stickstoffanteil verwendet werden.
kontakt gd 300 flWir sind für Sie da! Schreiben Sie uns eine eMail, hinterlassen Sie uns eine Nachricht auf der Gartendialog-Mailbox unter 037601 - 20741 oder senden Sie eine SMS an 0163 - 7680384. Wir melden uns schnellstmöglich zurück.

Erfahren Sie mehr über das Team hinter Gartendialog - zu über uns.