Feuerbrand an Obstbäumen - Erkennen und Bekämpfen

ApfelbaumFeuerbrand ist eine gefährliche Pflanzenkrankheit. Sie wird durch ein Bakterium, genauer gesagt durch Erwinia amylovora ausgelöst und befällt vor allem Kernobstgehölze. Das Schlimme ist, dass sich die Krankheit seuchenartig ausbreitet. Zum Glück besteht keine Gefahr für den Menschen und seine Gesundheit. Zum ersten Mal trat Feuerbrand in Amerika auf, etwa vor 200 Jahren. In Europa wurde die Erkrankung erstmals 1957 gemeldet, in England. Von dort aus verbreiteten sich die Erreger über ganz Europa. Feuerbrand ist fast in jedem Land zu finden. Häufig sind Obstplantagen betroffen. Das ist natürlich ein großer wirtschaftlicher Schaden.





Meldepflicht

Bei uns in Deutschland muss das Auftreten von Feuerbrand gemeldet werden. Schon der Verdacht ist meldepflichtig. Gemeldet wird je nach Bundesland an das Landesamt bzw. die Landesanstalt für Landwirtschaft. Rechtsgrundlage ist die Verordnung zur Bekämpfung der Feuerbrandkrankheit (Feuerbrandverordnung) vom 20. Dezember 1985, in der jeweils aktuellen Fassung.

Quarantäne?

Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, gibt es national und international geltende Quarantänemaßnahmen und auch Handelsbeschränkungen. Leider ziehen nicht alle Länder einheitliche Maßnahmen durch das Landesamt für Landwirtschaft kann eine Quarantänezone um befallene Grundstücke anordnen, in der Regel von 5 Kilometern. Außerdem kann bestimmt werden, dass in diesem Gebiet hochanfällige und befallene Wirtspflanzen vernichtet werden müssen. Bienenhaltung ist dann nicht erlaubt, ebenso nicht das Anpflanzen von anfälligen Wirtspflanzen.

Auslöser des Feuerbrandes

Der Auslöser dieser Krankheit ist wie gesagt das Bakterium Erwinia amylovora. Es gehört zu den Enterobakterien. Die meisten dieser Bakterien leben im Darm, diese hier nicht. Unter dem Mikroskop ist ein stäbchenförmiges Bakterium zu erkennen. Es ist gramnegativ und sogar unter Luftabschluss lebensfähig. Die idealen Wachstumsbedingungen findet das Bakterium bei Temperaturen zwischen 21 und 28° C.

Die Ausbreitung von Feuerbrand

KirschbaumEs gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie der Erreger verbreitet werden kann und die Gewächse befällt. Dabei unterscheidet man nach Infektionen vor dem Pflanzen im Garten und danach. Feuerbrand kann eingeschleppt werden oder die Pflanzen erst deutlich später befallen, an ihrem Standort sozusagen.
  • Kontaminierte Pflanzen
  • Transport von Pflanzen in kontaminiertem Verpackungsmaterial
  • Kontaminierte Schnittwerkzeuge
  • Wetterereignisse wie Wind und Regen
  • Zugvögel
  • Insekten
  • Kleinsäugetiere
  • Mensch
Die Bakterien verbringen die Zeit der Vegetationsruhe in den erkrankten Rindenteilen, die man Nekrosen nennt. Im Frühjahr vermehren sich die Bakterien. Von dort aus erfolgt bei wärmerem und feuchtem Wetter im Frühjahr und Sommer die Ausbreitung. Die Bakterien werden in riesigen Mengen in Form von Schleimtropfen ausgeschieden. In unseren heimischen Gärten erfolgt die Ausbreitung meist durch Regentropfen, Wind und Insekten, welche die Blüten besuchen.

Wie gelangt der Erreger in die Pflanzen?

Wie dringt das Bakterium in das Pflanzengewebe ein? Das passiert in der Regel über natürliche Eintrittspforten, z.B. über eine Pore in der Epidermis (Spaltöffnung), über eine Korkpore (Lentizellen) im Bereich der Borke, über ein Nektarium, also eine Saftdrüse bei Blütenpflanzen oder aber über Wunden, ob an Blättern, Trieben oder Zweigen. Man unterscheidet grob:
  • Blüteninfektion
  • Triebinfektion
  • Infektion aus wieder aktiv werdenden Befallsstellen
Die meisten Ansteckungen erfolgen im Frühjahr und Sommer, besonders in der Blütezeit. Eine feuchtwarme Witterung ist besonders ideal zum Ausbreiten der Erreger. Extrem gefährdet sind die Blüten. Die Übertragung erfolgt häufig durch Insekten. Die Keime finden ideale Verhältnisse vor und vermehren sich explosionsartig. Sie überwinden allein durch ihre Masse die natürlich vorhandene Abwehr der Pflanze und dringen ein.

Wie und woran erkennt man Feuerbrand?

Zu erkennen ist Feuerbrand an einigen Symptomen. Blätter und Blüten der befallenen Pflanzen welken plötzlich, immer vom Blattstiel aus. Sie verfärben sich braun oder schwarz, bleiben aber haften. Typisch ist, dass sich die Triebspitzen hakenförmig nach unten krümmen. Das kommt vom Wasserverlust. Die Pflanze oder Teile von ihr, sehen vom ganzen Erscheinungsbild her aus wie verbrannt. Daher stammt auch der Name „Feuerbrand“.

Junge Pflanzen sterben ziemlich schnell ab, da reichen schon zwei bis drei Wochen. Bei älteren Pflanzen kann man zusehen, wie sich die Erkrankung mit den Jahren immer weiter ausbreitet. Innerhalb eines oder mehrerer Jahre führt auch hier die Erkrankung zum Absterben.

Ein typisches Symptom ist, das an den Infektionsstellen Bakterienschleim austritt. Das passiert im Sommer und im Herbst. Im Winter kann es zum Einsinken der Rinde kommen.

FelsenbirneWer 100prozentige Gewissheit haben möchte, dass es sich tatsächlich um Feuerbrand handelt, also um das Bakterium Erwinia amylovora, der muss eine Laboruntersuchung durchführen lassen.

Wie stark der Befall ist, ist abhängig von einigen Faktoren, z.B. dem Klima, den Standortverhältnissen, der Pflanzenart, manchmal auch der Sorte, dem Gesundheitszustand und der Bakteriendichte auf der Pflanze. Oft sind es auch Wechselwirkungen der einzelnen Faktoren.

Typische Wirtspflanzen des Feuerbranderregers

Es gibt zahlreiche Wirtspflanzen, insgesamt mehr als 170 Arten aus 40 Gattungen in der Familie der Rosengewächse. Kernobstgewächse sind die Hauptwirtspflanzen. Nur auf diesen Arten kann das Bakterium überwintern.
Besonders anfällig sind:
  • Obstgehölze
  • Ziergehölze
  • Zier- und Wildgehölze
Oft sind Apfelbäume betroffen. Wer neu anpflanzt, sollte sich deshalb gleich für robuste, wenig anfällige Sorten entscheiden. Vom Feuerbrand häufig betroffen sind z.B. die Sorten: Cox Orange, Granny Smith, Elstar, Gala, Gloster, Jonathan, Jonagold, viele Mostäpfel und die Apfelunterlage M26. Bei den Birnen sind es hauptsächlich: Conference, Comice, Concorde, Gute Luise, Pastorenbirne und einige Mostbirnen.

Bei den Ziergehölzen sind vor allem Quitten, Mispeln, Speierling und Elsbeere betroffen, bei den Wildgehölzen vor allem Mehlbeeren, Vogelbeeren, alle Äpfel, Felsenbirne, Apfelbeere, Zierquitte, Weißdorn, Rotdorn, Feuerdorn und andere.

Vorbeugung

Man kann seine Pflanzen nicht 100prozentig vor Feuerbrand schützen. Hilfreich ist allerdings, bei Neupflanzungen gegen Feuerbrand robuste oder widerstandsfähige Sorten zu wählen.
  • Wenig anfällige Apfelsorten: Schöner aus Boskoop, Schöner aus Wiltshire, Danziger Kantapfel, Florina, Glockenapfel, Maunzenapfel, Rewena, Schweizer Orangenapfel, Remo und andere
  • Wenig anfällige Birnensorten: Harrow delight, Harrow Sweet, Welsche Bratbirne, Bayrische Weinbirne...
Wichtig ist, seine Pflanzen regelmäßig auf Befall zu kontrollieren. Je früher Feuerbrand entdeckt wird, um so eher kann man gegen ihn vorgehen. Außerdem ist es wichtig, alle Schnittwerkzeuge mit 70%igem Alkohol zu desinfizieren. Besonders unmittelbar nach der Blüte sind die Bestände zu kontrollieren. Die gefährliche Zeit reicht bis zum Ende des Frühsommers.

Im Erwerbsanbau wird in manchen EU-Ländern vorbeugend ein Antibiotikum verwendet. Es ist aber sehr umstritten, da es in Honig nachgewiesen wurde. Außerdem muss mit Resistenzen gerechnet werden. Irgendwann ist der Erreger immun.

Was tun, wenn man Feuerbrand an seinen Pflanzen entdeckt?

Nachdem die Erkrankung ordnungsgemäß angezeigt wurde, muss schnellstmöglich die Ausbreitung verhindert werden. Für den Hausgarten gibt es keinerlei Möglichkeiten, mit irgendwelchen Mitteln oder Substanzen gegen den Feuerbrand vorzugehen. Es sind keine Pflanzenschutzmittel zugelassen. Der einzige Weg ist Schneiden oder manchmal auch Fällen.

Einzelne befallene Triebe können noch bis tief ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden. Stärker befallene Gewächse müssen gerodet werden. Wichtig ist, befallene Pflanzenteile oder ganze Pflanzen nicht auf den Kompost zu geben. Sie dürfen auch nicht in die Biotonne. Am besten ist, alles zu verbrennen. Da das nicht überall erlaubt ist, muss es zum normalen Müll in die Müllabfuhr. Ganze Bäume müssen direkt zur Müllverbrennungsanlage gebracht werden.

Verwechslungsmöglichkeiten

Ähnliche Symptome wie der Feuerbrand, also welkende, verbräunte und vertrocknete Blüten und Triebe können auch von anderen Erregern ausgelöst werden.
  • Bakterielle Infektion
    • Pseudomonas syringae pv. Syringae – Erreger des Bakterienbrands in Steinobst und der Fliederseuche an Flieder
    • Phytoplasmen - Apfeltriebsucht, Birnenverfall – zellwandlose Bakterien, die Obstbäume befallen
  • Pilzliche Erreger
    • Monillia sp. – Fruchtfäule oder Spitzendürre – einer der wichtigsten Pflanzenschädlinge bei Obstbäumen
  • Tierische Schädlinge
    • Blutläuse
    • Birnentriebwespe
  • und andere Ursachen
    • Frost
    • Trockenheit
    • Herbizide
Fazit

Mit Feuerbrand ist nicht zu spaßen. Die Krankheit breitet sich immer mehr aus. Ganze Obstwiesen und Obstplantagen mussten schon gerodet werden. Da es keine zugelassenen Mittel gibt, ist Vorbeugung der beste Weg, die Seuche zu bekämpfen. Schon bei der Auswahl der Obstsorten ist mit Bedacht vorzugehen. Wer Obstbäume im Garten hat, sollte auch bei den Begleitpflanzen aufpassen. Gerade Rot- und Weißdorne und andere beliebte Gehölze werden gern befallen und das kann zu einer Ansteckung der Obstbäume führen. Wichtig ist, regelmäßig auf Befall zu kontrollieren, vor allem direkt nach der Blüte, bis in den Frühsommer hinein. Frühzeitig erkannt, ist noch mit Schnittmaßnahmen etwas zu erreichen. Hat sich die Krankheit dagegen schon ausgebreitet, hilft meist nur noch roden.


Tipps für Schnellleser
Feuerbrand an Obstbäumen

- Feuerbrand ist eine schlimme, durch Bakterien übertragene Erkrankung
- Besonders Obstgehölze sind betroffen, aber auch viele andere beliebte Gartenpflanzen
- Ziergehölze und Wildgehölze
- Es besteht Meldepflicht - je nach Bundesland an das Landesamt bzw. die Landesanstalt für Landwirtschaft.
- Quarantänemaßnahmen können verordnet werden
- Ausbreitung in der Regel durch kontaminierte Pflanzen, kontaminierte Schnittwerkzeuge, Regentropfen, Wind, Insekten
- Blüteninfektion, Triebinfektion und Infektion aus wieder aktiv werdenden Befallstellen
- Eindringen durch natürliche Eintrittspforten, Poren, Saftdrüse, Wunden
- Meiste Ansteckungen im Frühjahr und Sommer, bei feuchter und warmer Witterung
- Symptome – Blätter und Blüten welken, bleiben aber hängen
- Triebspitzen krümmen sich hakenförmig nach unten
- Pflanze sieht aus wie verbrannt
- Bakterienschleim tritt aus
- Keine zugelassenen Pflanzenschutzmittel
- Nur durch Schnitt oder Rodung zu bekämpfen
- Abfälle verbrennen, nicht auf Kompost, nicht in Biomüll
- Vorbeugen deshalb extrem wichtig
- Gesunde, robuste Gehölze pflanzen
- Regelmäßig auf Befall kontrollieren
- Bei Erkennung sofort einschreiten!
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