Beliebte immergrüne winterharte Kletterpflanzen


Efeu RankpflanzeDie klassischen Kletterpflanzen sind Rosen und Clematis. Leider sind diese nicht immergrün. Im Winter ist ihre Schönheit dahin. Immergrüne Kletterpflanzen sind eher selten. Der Klassiker ist Efeu, aber nicht alle Efeuarten sind winterhart. Da muss bei der Auswahl aufgepasst werden. Außerdem sind die Früchte der Pflanze giftig. Wer kleine Kinder sollte eine andere Pflanze wählen. Eine Alternative ist das Immergrüne Geißblatt. Auch Immergrüne Purpur-Kriechspindel und Immergrüne Kriechmispel sind keine schlechten Kletterpflanzen, allerdings erreichen sie nicht die Ausmaße der anderen Kletterer. Sie sind eher für Sockelbereiche gedacht.





Blattdichte ist entscheidend

Die meisten Kletterpflanzen sind nur sommergrün. Zwar gibt es theoretisch einige wintergrüne Rank- bzw. Kletterpflanzen, aber die Blätter bleiben meist nur in milden Wintern haften. Auf das Wetter ist leider kein Verlass. So bringen diese Pflanzen meist nicht die Blattdichte von wirklich immergrünen zustande. Viele wintergrüne Gewächse retten ihr Laub mehr oder weniger gut über mehrere Monate und manchmal fällt der Blattverlust gar nicht groß aus, weil auch die verdorrten Blätter haften bleiben und die frischen einfach darüber wachsen. Sozusagen gehen Blattfall und Neuaustrieb nahtlos ineinander über.

Efeu - Hedera helix

Der Efeu ist die klassische immergrüne Kletterpflanze schlechthin. Er ist ideal für die Fassadenbegrünung, da er sich mit seinen Haftwurzeln sehr gut an Mauern festhalten kann. Außerdem sind die meisten Efeuarten zuverlässig immergrün, zumindest bis in Zone 6a und aufwärts.

Am besten geeignet ist unsere heimische Wildform Hedera helix. Er ist ein guter Kletterer, sehr winterhart und zuverlässig immergrün. Besonders empfehlenswert ist Hedera helix ’Woerner’. Er ist extrem frostresistent und klettert und haftet ausgezeichnet. Hedere colchica klettert zwar auch gut, aber bei der Winterhärte hapert es. Er braucht einen günstigen Standort. Außerdem sind seine Haftwurzeln nicht gut ausgebildet. Da gilt auch für den beliebten Irischen Efeu, Hedera helix ’Hibernica’. Er ist zwar besonders wuchsstark, kann sich aber oft nicht halten. Seine Haftwurzeln sind eher schwach ausgebildet.

Efeu rankendEfeu muss nicht unbedingt eine Fassade begrünen. Er bildet auch dichte Dächer an einer Pergola, ist ideal als Sichtschutz, wenn er einen Zaun begrünen kann, verdeckt tote Bäume und kann vieles mehr. Insgesamt gibt es ca. 700 Efeusorten. Am bekanntesten sind: Hedera helix – kleinblättrig, Hedera colchica – großblättrig und Hedera hibernica. Man unterscheidet die Sorten oft nach der Blattfarbe, von hell bis dunkelgrün. Es gibt hell geflammte oder umrandete Blätter. Die Blüten sind meist unscheinbar, gelblich grün. Es sind Blütendolden. Die Blüte reicht von September bis Oktober. Die Früchte, erbsengroße schwarze Beeren reifen im Folgejahr und sind giftig.
Hedera helix ist die wuchsstärkste Art. Sie erreicht Höhen bis 25 Meter. Der jährliche Zuwachs beträgt etwa 2 Meter und mehr. Eine Pflanze kann eine Fläche von 500 m² bedecken. Das wird oft überschätzt. Wer nicht so viel Platz zur Verfügung hat, sollte lieber eine Hedera colchica-Sorte pflanzen.
  • Standort – ideal ist eine nördlich bis westlich orientierte Fassade
  • Pflanzsubstrat – sehr anpassungsfähig, mag lockeres, etwas feuchte Substrat, keine Bodenverdichtung, kein saurer Boden,
  • Gießen und Düngen – Efeu mag keine langanhaltende Trockenheit, muss auch im Winter gegossen werden, wenn es trocken ist, denn er verdunstet jede Menge Wasser
  • Schnitt – ist problemlos möglich und meist nötig, um das Pflanzenwachstum einzudämmen.
  • Rankhilfen – unbedingt empfehlenswert bei Höhen über 10 Meter. Eine Absturzsicherung verhindert, dass sich ganze Flächen des Efeuteppichs ablösen, weil das Gewicht einfach zu hoch wird. Dabei geht auch der Putz mit ab. Generell ist ein Klettergerüst von Anfang an empfehlenswert, damit die Pflanze nicht in Ritzen und Fugen wächst und die Bausubstanz schädigt. Efeu kann große Schäden an einem Haus abrichten.
  • Entfernung von Efeu – ist oft schwierig. Die Haftwurzeln verbleiben meist am Mauerwerk. Hier hilft nur Abflammen und neu verputzen und malern. 
Immergrünes Geißblatt – Lonicera henryi

immergrünes GeißblattDas Immergrüne Geißblatt ist die beste Alternative zu Efeu. Zwar kann es in sehr kalten Wintern dazu kommen, dass die Blätter abfallen, was meist daran liegt, dass der Boden gefroren ist und die Wurzel kein Wasser mehr aufnehmen kann, aber die Pflanze treibt meist zuverlässig, sehr zeitig im Jahr, wieder aus. Ein Zeichen für Wassermangel sind zusammengerollte Blätter. Das ist aber ein Selbstschutzmechanismus, der die Pflanze am Leben erhält. Die Verdunstung wird reduziert, damit das Geißblatt nicht vertrocknet.

Die gelbroten Blüten des Immergrünen Geißblattes erscheinen von Juni bis August und sind eher unauffällig. Später erscheinen dann kleine, runde blauschwarze Beeren.

Das Immergrüne Geißblatt ist eine der besten Kletterpflanzen für die Begrünung von Mauern, Zäunen und Pergolen, überdeckt aber auch Mauerkronen, Säulen und ist günstig als Böschungsbegrünung. Die sich windenden Triebe erreichen eine Höhe von bis zu 8 Metern. Eine Pflanze kann bis zu 4,50 Meter breit werden. Der Pflanzabstand sollte dementsprechend etwa 2 Meter betragen. Das Immergrüne Geißblatt wächst pro Jahr zwischen 30 und 60 cm im Jahr, ist also nicht so starkwüchsig wie der Efeu.

Frisch gepflanzte Geißblätter sollten im ersten Jahr einen Winterschutz erhalten. Die Pflanze wird häufig von Läusen heimgesucht und sollte regelmäßig auf den Befall kontrolliert werden. Im Normalfall reicht es aus, die Plagegeister mir einem kräftigen Wasserstrahl wegzuspülen. Chemie muss nur in Ausnahmefällen genutzt werden.
  • Standort – sonnige, am besten halbschattige Lage, zu viel Schatten führt dazu, dass die Pflanze von unten stark verkahlt. Die Beschattung des Stammfußes ist vorteilhaft. Bei zu viel Sonne drohen im Winter Verbrennungen.
  • Pflanzsubstrat – nährstoffreiche, frische bis feuchte Erde
  • Gießen und Düngen – ausreichend Wasser und Nährstoffe sind wichtig, damit sich eine dichte Blätterwand bilden kann.
  • Schnitt – ein Schnitt ist problemlos möglich. Man schneidet im Frühjahr. Der Schnitt dient zur Auslichtung und zur Förderung der Verzweigung. Der Blattteppich wird dichter. Wenn die Pflanze verkahlt, meist von unten beginnend, ist ein Schnitt ins alte Holz problemlos möglich. Das Immergrüne Geißblatt verträgt auch einen sehr starken Rückschnitt.
  • Rankhilfen – das Immergrüne Geißblatt ist ein Schlinger. Die Pflanze ist mittelstark wüchsig. Als Rankgerüste eignen sich vertikale Fächer oder netzförmige Hilfen. Wichtig sind Querelemente und Verzweigungen, denn sie wirken einer Abrutschung entgegen. So wird für eine dichte, geschlossene Blätterwand gesorgt. 
Immergrüne Purpur-Kriechspindel – Euobymus fortunei

Die Immergrüne Purpur-Kriechspindel ist eher eine schwachwüchsige Pflanze und gut für die Begrünung von Wandsockeln geeignet, wenn man beispielsweise Bauschäden verdecken möchte. Auch andere niedrigere Mauern oder „Dreckecken“ im Garten kann man dahinter verstecken. Es gibt verschiedene Kriechspindelsorten, dieser hier hat besonders schönes Laub. Im Sommer ist es hellgrün und sehr dicht. Im Herbst beginnt dann eine farbliche Veränderung, das Laub wird rötlicher. Bis zum Winter ist die Farbe zu purpurrot gewechselt. Die Blätter haben eine starke Leuchtkraft. Die Pflanze wird ca. 40 bis 60 cm hoch und etwa doppelt so breit, wächst aber nicht stark und auch nicht sehr schnell. Allerdings ist der Blätterteppich sehr dicht. Bei Bodenkontakt bilden sich dort neue Wurzeln. Deshalb eignet sich die Kriechspindel auch gut zur Hangbefestigung. Allerdings nutzt sie auch jede Gelegenheit aus, ihre Haftwurzeln einzusetzen. Sie rankt an Wänden empor und das mit Leichtigkeit. Allerdings schafft sie nur 20 cm Höhenwachstum pro Jahr.

Die Blüten sind unscheinbar und erscheinen auch nur an älteren Pflanzen. Die Blütezeit ist von Mai bis Juli. Nach der Blüte bilden sich kleine rötliche Früchte. Euobymus fortunei ist sehr robust und fast so winterhart wie Efeu. Wenn man die Pflanze im Kübel kultiviert, muss man diesen im Winter gut verpacken. Im Kübel sollte die Temperatur –5 °C nicht unterschreiten.

Alternative - Euonymus fortunei radicans, die Immergrüne Kletter-Spindel

Diese Pflanze ist ein anspruchsloser und anpassungsfähiger Selbstklimmer, der sich an einer Mauer oder Wand 2 Meter und mehr nach oben schieben kann. Seine Blätter verfärben sich im Herbst orangerot bis braunrot. Der Jahreszuwachs beträgt hier 20 bis 30 cm. Die Haftwurzeln sind recht flach. Die Winterhärte ist gut, bis –25 °C hält die Pflanze locker aus.
  • Standort – vollsonnig über halbschattig bis schattig, auch für stärker beschattete Bereiche geeignet, z.B. eine Nordwand
  • Pflanzsubstrat – sehr anpassungsfähig, aber ausreichende Feuchte ist wichtig. Keine Bodenverdichtung! Günstig ist ein sandig-humoser Boden
  • Gießen und Düngen – die Pflanze mag keine lange Trockenheit, vor allem bei Hitze. Bei Wassermangel kann es im Herbst zu Laubabwurf kommen.
  • Schnitt – gut schnittverträglich. Man kann zwei- bis dreimal pro Jahr schneiden. Je mehr geschnitten wird, um so besser verzweigt sich die Pflanze und um so dichter wird der Teppich. Die beste Zeit für einen Schnitt liegt im Frühjahr und zwischen Mai und August.
  • Rankhilfen -. Durch die Haftwurzeln und die geringe Höhe der Kriechspindel ist in den meisten Fällen kein Rankgerüst nötig. Wenn man das Gewächs im Kübel kultiviert und es als Sichtschutz nutzen möchte, dann sollte ein Gerüst zum Ranken bereitgestellt werden. Bei Mauern hat es sich bewährt, die langen Triebe mit Knetwachs zu befestigen. Vorsicht, die Triebe wachsen auch in Fugen!
Fazit

Es gibt eine Menge wunderschöne Kletterpflanzen. Sie überzeugen in der Regel durch tolle Blüten und schöne Blätter, haben aber alle einen Nachteil, im Winter ist ihre Schönheit dahin. Immergrüne Kletterpflanzen, die unsere mitteleuropäischen Winter abkönnen, sind dagegen selten. Ich habe hier drei verschiedene Pflanzen vorgestellt, mit all ihren Vor- und Nachteilen. Der Efeu ist genial, wenn es um die Begrünung von Mauern geht, hat aber den Nachteil, dass man seine Haftwurzeln bei Bedarf nur schlecht von der Wand abbekommt. Die Blattteppiche werden riesig und schwer und können abreißen. Das Immergrüne Geißblatt ist nicht ganz so starkwüchsig, wird auch nicht so schwer. Es ist eine gute Alternative. Die Immergrüne Kriechspindel wird je nach Sorte bis zu 2/3 Meter hoch, wächst eher schwach, punktet aber mit seiner schönen Blattfärbung im Herbst und Winter. Bei der Auswahl einer Immergrünen Kletterpflanze müssen die Standortbedingungen berücksichtigt werden. Nur wo sich die Pflanzen wohlfühlen, gedeihen sie auch prachtvoll.


Tipps für Schnellleser
Beliebte Immergrüne winterharte Kletterpflanzen

- Wenige immergrüne Kletterpflanzen
- Beste Sorte – der Efeu – Hedera helix, aber Vorsicht: giftig!
- Efeu hat Haftwurzeln, klettert mit ihnen bis zu 25 m hoch, je nach Sorte
- Starkwüchsig, gut winterhart, bildet riesige Pflanzenteppiche
- 1 Pflanze kann einen Blattteppich von 500 m² bilden
- Mag Sonne nicht besonders und keine langanhaltende Trockenheit
- Schnitt problemlos und oft nötig, um Wachstum einzudämmen
- Haftwurzeln können den Putz von Mauern schädigen
- Immergrünes Geißblatt – Lonicera henryi
- Klettert bis 8 Meter hoch und wird auch breit
- Nicht so starkwüchsig, wächst nur 30 bis 60 cm im Jahr
- Sonnige bis halbschattige Standorte sind ideal
- Schnitt problemlos möglich
- Immergrüne Purpur-Kriechspindel – Euobymus fortunei 
- Nur mäßig wuchsstark, etwa 20 cm im Jahr
- Wird nur etwa 80 cm hoch, Außnahme die Sorte Euonymus fortunei radicans. Diese kann 2 bis 3 Meter hoch ranken.
- Sehr schöne Laubfärbung im Herbst und Winter
- Kann gut geschnitten werden.
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