Keimsprossen, Sprossen selber ziehen - Samen, Zucht und Pflege


Keimsprossen anbauenSprossen sind gesund, leicht heranzuziehen und schmackhaft. Wenn Sie ein paar Erfahrungen in der Sprossenzucht gesammelt haben, werden Sie sicher irgendwann beginnen, die große Welt der Pflanzen zu entdecken, aus denen sich Keime oder Sprossen ziehen lassen. Dann werden sich ganz neue Geschmackswelten eröffnen, denn zwischen A wie Alfalfa und Z wie Zackenschötchen (orientalisches) gibt es weitere unzählige Arten von Samen, aus denen Sie köstlich zartes Jung-Gemüse für Gourmets ziehen können.





Keimsprossen, Sprossen - was ist das eigentlich genau?

Um diese Frage zu beantworten, folgt ein kleiner Blick auf "die Welt der Keime und Sprossen": Keimsprossen wären rein nach Wortlaut die gerade aus Samen entwickelten jungen Austriebe, also bis zu einem gut sichtbaren Stadium gekeimte Jungpflanzen, die botanisch korrekt eigentlich Sämlinge heißen. Keimlinge sind für den Botaniker "die sehr kleinen Sämlinge", Samen, bei denen gerade die ersten sichtbaren Veränderungen zu bemerken sind.

Eine Sprosse wird die Jungpflanze dann, wenn sie eine Sprossachse und mindestens die ersten zwei Blätter vorweisen kann, die Sprosse wird vom Gärtner also auch Trieb genannt, und ein Sprossengemüse ist jedes Gemüse, das wir als Jungtrieb essen - Spargel, Bambus, Rosenkohl (der genau aus diesem Grund auch Kohlsprosse oder Brüsseler Sprosse genannt wird). Wenn Sie jetzt einwerfen, dass man eigentlich von jedem Gemüse die Jungtriebe essen kann, haben Sie im Grundsatz recht. Aber nur im Grundsatz, die Jungtriebe der Nachtschattengewächse sollte jeder an weiterem Fortleben interessierter Mensch schon einmal lieber stehen lassen.

junge SprossenAls Keimsprossen im engeren Sinne des Wortes werden "kulinarisch" nur die Sämlinge bezeichnet, die komplett gegessen werden, also mit Wurzel, Rest des Samenkorns, Keimblättern, Stängel und - wenn schon entwickelt - auch dem ersten Blattpaar des Jungtriebs, den sogenannten Primärblättern. Sprossengemüse im engeren Sinne des Wortes ist der Jungtrieb ohne Wurzelkram, mit oder ohne die ersten Blätter, also neben dem gerade erwähnten Spargel + Co. jede Menge anderer Austrieb von zur Ernährung genutzten Pflanzen, wie Triebe von Getreide und Pseudogetreide, von Kohlgewächsen und Hülsenfrüchten, von Giersch, Hopfen, japanischem Staudenknöterich oder Palmherzen.

Weil erfindungsfreudige Menschen immer neue Namen für das suchen, was sie verkaufen oder in ihrem Restaurant verkochen, hat sich im Bereich des Verzehrs der sehr jungen Triebe dann noch die Kresse ungewöhnlich breitgemacht: Alles, was sich so ähnlich wie unsere altbekannte Gartenkresse zu einer kleinen Miniwiese ziehen lässt, die mit der Küchenschere gemäht wird, wird auf der Speisekarte gerne als Kresse angekündigt. So gibt es Senfkresse und Basilikumkresse, Perillakresse und Rettichkresse und Kresse verschiedener Kohlsorten und Blattsalate. Diese Kressen sind meist Sprossengemüse, es werden also nur die Pflanzenteile oberhalb des Samenkorns verzehrt, die über den Wurzeln abgeschnitten werden.

Dem hungrigen Menschen kann diese feinste Differenzierung nach Millimetern oder enthaltenen Pflanzenteilen egal sein, und so werden essbare Sämlinge im Feinkostladen synonym auch als Keimlinge (oder Sprossen oder Keimsprossen oder Sprossengemüse) bezeichnet.

Sprossen und Keime sind ja so gesund!

Gemeinsam ist jedoch all diesen Jungpflanzen, dass sie ausgesprochen gesund sind, hier die Pluspunkte der Keime und Sprossen:
  • Die Sämlinge sind "geballte Pflanzenversorgungseinheiten", mit allen Pflanzenstoffen, die die Jungpflanze in ihrer ersten Zeit des Wachstums braucht.
  • Das sind auch die Stoffe, die uns gut tun, die junge Pflanze enthält diese Vitalstoffe in optimaler Zusammensetzung und einer Form, die von unserem Organismus leicht aufgenommen werden kann.
  • Im Gegensatz zu den gesunden Anteilen im "großen" Obst und Gemüse bieten die Sprossen die Vitalstoffe in einem wesentlich günstigeren Preis-Leistungs-Verhältnis.
  • Sprossen und Keime werden nicht zu einer bestimmten Jahreszeit geerntet, sondern können das ganze Jahr über gezogen werden.
  • Und das mit geringem Aufwand, je nach Sprossenart braucht es nicht mehr als ein bis sieben Tage Keimdauer.
  • Selbst gezogene Keime und Sprossen sind gewöhnlich frei von möglicherweise schädlichen Inhaltsstoffen wie Pestiziden, Düngern, Abgasen und anderen Umweltgiften.
junge Sprossen im GlasFür die erste Sprossenzucht im eigenen Haushalt braucht es auch keine Großgärtnerei oder ständige gärtnerische Tätigkeit, die notwendigen Utensilien sind eigentlich in jedem Haushalt zu finden, das Zuchtergebnis kann in der Regel einige Tage im Kühlschrank gelagert werden, zu allererst brauchen Sie jedoch einmal die Samen, hier einige Bezugsquellen:

Bezugsquellen für Keimsprossen

Es gibt einige Händler, die sich darauf spezialisiert haben, uns mit Sprossensamen für die eigene Aufzucht zu versorgen:
  • Eine recht große Auswahl an keimfähigen Samen finden Sie bei der Firma Aiko-Samen aus 1606XN Venhuizen, Niederlande, die deutsche Vertretung ist unter www.aiko-samen.de zu erreichen.
  • Bei der Davert GmbH Naturkost aus 59387 Ascheberg, www.davert.de, finden Sie Sprossen-Mix als Samen, Bockshornklee, Grüne Linsen und
    style="text-decoration:underline">Rettich
    zum Beispiel.
  • Die Firma Mühle Schlingemann e. K. aus 45731 Waltrop verkauft unter www.muehle-schlingemann.de sechs verschiedene Samen, auch als Mix.
  • Die Megerle Online GmbH aus 76698 Ubstadt-Weiher bietet unter www.topfruits.de/rubrik/keimsaaten/?ref=265 gut ein Dutzend verschiedene Keimsaaten an, auch im günstigen Kilo-Paket.
  • Wenn Sie Sprossen von "ganz normalem Gemüse" ziehen möchten, brauchen Sie einfach nur biologisch gezogenes Saatgut, das Sie z. B. bei der Bingenheimer Saatgut AG in 61209 Echzell-Bingenheim unter www.bingenheimersaatgut.de bekommen.
Wenn Sie Ihre Sprossensamen bei einem Händler kaufen, der auf einen Verkauf an private Verbraucher ausgelegt ist, werden Sie häufig auf kleine Samentütchen mit Samenportionen zwischen 20 und 35 g stoßen. Wenn Sie öfter einmal Sprossen essen möchten, lohnt es sich, auf die Suche nach einem Händler zu gehen, der die Samen in größeren Einheiten verkauft.

Besonders wenn bei den Samen überhaupt keine Grammzahl mehr angegeben wird, sondern nur eine Stückzahl von Samen, ist Aufmerksamkeit angebracht: 1.200 Senfsamen und 3.000 Kressesamen pro Packung klingt erst einmal gewaltig, aber Senf und Kresse gehören zu den Samen mit dem kleinsten TKG (Tausendkorngewicht) überhaupt.

Keimsprossen in Schale1.000 Senfsamen wiegen 5 bis 11 Gramm, 1.000 Kressesamen 8 Gramm, bei den gerade genannten Verpackungseinheiten kaufen Sie also 9,6 g Senfsamen für 1,45 € bzw. 24 g Kressesamen für 1,25 €, das sind kg-Preise von 151,- bzw. 51,- €. Das geht billiger, auch bei einem auf Keimsprossen spezialisierten Händler, Senfsamen finden Sie z. B. im 500-g-Paket für 4,95 € (9,90,- € pro kg), Bio-Kressesamen gibt es bei ganz normalen, ökologisches Saatgut produzierenden Samenhändlern für rund 15,- € pro kg.

Brauchen Sie für Keimsprossen spezielle Samen?

Die nächste Frage ist, ob Sie überhaupt spezielle Keimsamen bzw. spezielles Keimsaatgut brauchen - oder ob Sie einfach die irgendwo gekaufte nächste Samentüte öffnen können und sich aus dieser Ihre Sprossen bzw. Ihr Sprossengemüse ziehen können.

Nicht unbedingt, Sie sollten schon genau wissen, wo Ihre Samen herkommen, denn bei weitem nicht alle Samen sind geeignet:
  • Die Samentüten, die am Aufsteller im Baumarkt oder Discounter hängen, bringen (manchmal) Pflanzen hervor, aber auf keinen Fall Sprossen, die Sie zu sich nehmen sollten.
  • Diese Samen sind nämlich gewöhnlich chemisch behandelt, z. B. mit Neonicotinoiden, gegen Schädlinge und für ein schnelleres Wachstum bzw. eine höhere Ernte.
  • Damit ist nicht unbedingt sicher, dass es gesund ist, wenn Sie aus solchen Samen gekeimte Sprossen essen (für aus solchen Samen gezogenes Gemüse gilt das weniger, das wächst ja noch eine Zeit lang).
  • Wenn Sie sich Lebensmittel kaufen, die nach Ihren biologischen Kenntnissen keimen sollten, können Sie außerhalb des Bio-Bereichs nicht sicher sein, das diese Lebensmittel frei von schädlichen Stoffen sind.
  • Der Handel bekommt zwar Höchstgrenzen vorgeschrieben, die den Verzehr des gesamten Lebensmittels gesundheitlich unbedenklich machen sollte (was von vielen Kritikern jedoch bestritten wird).
  • Wenn Sie aus einem solchen Lebensmittel Sprossen gewinnen, können Sie nicht wissen, wie sich irgendwelche schädlichen Stoffe auswirken, also besser Finger weg von solchen Samen.
  • Außerdem werden Sie aus solchen Samen häufig gar keine Sprossen ziehen können, weil sie durch Genveränderung keimunfähig wurden.
  • Das kann Ihnen sogar mit Samen aus Bio-Nahrungsmitteln passieren, wenn die Pflanze durch Zucht verändert wurde.
Keimsprossen nahVerwenden können Sie alle Samen aus ökologischer, nicht genveränderter Bio-Aufzucht, bei Keimsprossen speziell gezogene Samen, bei der Anzucht kleiner Junggemüse (Kressen) jeden biologisch gezogenen Samen. Verwenden können Sie auch alle zur Erzeugung von Keimen oder Sprossen geeigneten Samen, die Sie in Ihrem Naturgarten von biologisch und natürlich gezogenen Pflanzen geerntet haben.

Sprossen selber ziehen - Anleitung zur Zucht von Keimsprossen

Für die Sprossenzucht brauchen Sie ein Keimglas, in das Sie die Sprossen (Samen) zum Keimen geben und während des Keimens wässern können. Folgende gewöhnlich im Haushalt vorhandene Gläser könnten Sie nutzen:
  • Sie nehmen ein gewöhnliches Gurkenglas mit Weißblech-Deckel und stanzen z. B. mit einem Kondensmilch-Locher einige Löcher hinein.
  • Das ist jedoch keine Lösung für die Ewigkeit, irgendwann wird das Weißblech rosten.
  • Sie können den Deckel natürlich auch einfach ganz lassen und die Sprossen in einem Sieb spülen.
  • Sie können auch den Deckel eines Glases mit Kunststoff-Verschluss, Instanttee oder Pulverkaffee z. B., mit mehreren Löchern versehen.
  • Oder Sie verwenden ein normales Einmachglas mit ausgeprägtem Rand, über den Sie ein Siebnetz mit einem Einmachgummi befestigen.
So gehen Sie vor:
  • Sie geben etwa einen Esslöffel Samen in ihren gewählten Behälter und weichen sie ggf. (je nach Sprossenart) kurz in Wasser ein.
  • Zum Einweichen wird kaltes Wasser aufgegossen, die Körner sollten gut bedeckt sein.
  • Das Glas wird verschlossen und bei Zimmertemperatur aufgestellt, je nach Samen 15 min bis über Nacht.
  • Zum Einweichen sollte das Glas nicht in die Sonne oder auf die Heizung gestellt werden, die Samen gären schnell.
  • Das Wasser wieder anschließend abgegossen, die Samen werden mit frischem Wasser gespült.
  • Dieses Wasser wird wieder abgegossen, Sie sollten die Keime eine Weile abtropfen lassen, bis sie nur noch leicht feucht sind.
  • Zum Keimen der Sprossen wird das Keimglas an einen hellen Ort gestellt, nicht in extreme Sonne oder Wärme, wo sie gären oder vertrocknen könnten.
  • Nun kommt es nur noch darauf an, den Sprossen eine gleichmäßig feuchte Umgebung zu bieten und zugleich ein Übermaß an Bakterien zu entfernen.
  • Dazu werden die Sprossen regelmäßig mit Wasser gespült, meist 2 - 3 Mal pro Tag (wenn Keime öfter gewässert werden müssen, steht das auf der Packung).
  • Sie geben jeweils Wasser ins Keimglas, spülen (schütteln) die Sprossen einmal durch, gießen wieder ab und lassen abtropfen.
Das war es eigentlich schon, zur Hygiene siehe gleich unten. Wenn alles gut geht, haben Sie nach ein paar Tagen (je nach Sorte werden Sie Empfehlungen zur "Ernte" erhalten) einen schönen Haufen knackiger Keimsprossen, die einfach über Müsli oder Salat gestreut werden können, aber auch zur Herstellung ganz neuer kulinarischer Köstlichkeiten genutzt werden können.

Sprossen hellDie als Sprossengemüse gezogenen "Kressen" werden völlig anders gezogen, bei ihnen wird nur der obere Teil geerntet und gegessen, die Anleitung zur Aufzucht von Kressen ist deshalb ein ganz anderes Thema, das einem separaten Artikel vorbehalten bleibt.

Das Zubehör zur Zucht von Sprossen

Frei nach dem Motto "form follows function" (Form folgt Funktion, ein alter Design-Grundsatz nicht nur von Bauhaus-Anhängern) brauchen Sie für die Zucht von Keimsprossen einen lichtdurchlässigen Behälter, der das Spülen mit Wasser, abgießen und abtropfen ermöglicht. Also z. B. ein im Haushalt immer zu findendes Glas mit einer Abdeckung aus wasserfestem Siebmaterial, oder eine transparente Schüssel und ein Sieb zum Wässern und Abtropfen.

Der Handel hat jedoch schnell auf die "Lust an der Sprosse" reagiert, und so können Sie heute eine Fülle von Produkten kaufen, die eigens für das Keimen von Sprossen hergestellt werden. Es gibt unzählige spezielle Keimgläser bzw. Sprossengläser zu kaufen, auch von Firmen, die sich im Bereich Design einen Namen gemacht haben, Keimgeräte, die die Aufgabe der Sprossenzucht durch ein kluges System erleichtern wollen, Sprossentürme, Keimapperate (es sind wohl Keimapparate gemeint) und Sprossenboxen, Sprossengärten und Keimsprossenboxen, Keimschalen und Saatschalen, Tonkeimer und Keimautomaten, die aus immerhin 13 verschiedenen Teilen bestehen, inklusive Vernebler und Entwässerungsschlauch, Timer und Wassertank.

Diese erstaunlichen Apparaturen werden zu teilweise auch wirklich erstaunlichen Summen von Euro verkauft, all diese Geräte haben ihre Vorteile und Nachteile, auch zu ihnen gibt es Artikel mit vielen interessanten Informationen.

Die Pflege der Sprossen

Die gesamte Pflege der Sprossen wurde in der Anleitung zur Aufzucht der Keimsprossen bereits behandelt, sie beschränkt sich nämlich auf das Spülen der Sprossen.

Hier soll nur noch einmal darauf hingewiesen werden, dass dieses Spülen mindestens zwei Mal täglich und sorgfältig erfolgen sollte, denn Hygiene ist oberstes Gebot bei der Sprossenzucht, weil Sprossen als kleine Einheiten mit großer Oberfläche ziemlich keimgefährdet sind. Wenn Sie wissen, wie Sie Pflanzen hygienisch halten und das richtige Maß an Hygiene in der Küche aufrecht erhalten, werden Sie jedoch mit der bakterienfreien Aufzucht von Sprossen problemlos klarkommen.


Tipps für Schnellleser
Aussaat, Zucht und Pflege im Überblick

- Sprossen selber ziehen ist ein wertvoller Beitrag zu einer gesunden Ernährung
- Keimsprossen enthalten wichtige Mikronährstoffe in gut bekömmlicher und verwertbarer Form
- Der Begriff "Keimsprossen" ist nicht sehr genau, im Artikel erhalten Sie Einblick in die Welt der Sprossen
- Außerdem werden die Pluspunkte der Jungpflanzen kurz zusammengefasst, es gibt mehrere
- Einige Bezugsquellen für Keimsprossen werden aufgeführt, nebst Beantwortung der Frage, welche Samen geeignet sind
- Es folgt eine Anleitung zur Zucht von Keimsprossen, die mit haushaltseigenen Mitteln auskommt
- Die Pflege der Sprossen wird behandelt, unter besonderer Herausstellung der hohen hygienischen Anforderungen
- Erfahrene Sprossenzüchter werden neugierig gemacht auf die unzähligen Pflanzenarten, aus denen sich Keime oder Sprossen ziehen lassen
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