Alte und beliebte Birnensorten - Sorten-Übersicht

BirnensorteBirnen gedeihen in kühleren Regionen und werden seit langem in Europa kultiviert. Zu den ältesten beliebten Birnensorten unserer Breiten gehört die Bratbirne, die bereits im Mittelalter bekannt war. Ab etwa 1750 begann für die Kulturbirnen ein blühendes Zeitalter. Es wurden viele Sorten gezüchtet, von denen die meisten



im illustrierten Handbuch der Obstkunde von 1860 verzeichnet sind. Die historische Auflistung umfasst etwa 260 verschiedene Birnensorten. Einige von ihnen haben bis heute einen hohen Bekanntheitsgrad. Dazu gehören Williams Christ, Clapps Liebling, Gellerts Butterbirne und Gute Luise.


Seit wann die populärsten alten Birnensorten nachweislich bekannt sind
  • Williams Christ seit 1770
  • Gellerts Butterbirne seit 1820
  • Petersbirne seit 1750
  • Gute Luise seit 1796
  • Clapps Liebling seit 1860
  • Alexanderbirne seit 1870
  • Conference seit 1894
  • Bürgermeisterbirne seit 1800
  • Boscs Flaschenbirne seit 1810
  • Champagner Bratbirne seit 1797
Anbau und Pflege alter Birnensorten

Williams Christ

Die Williams Christ ist eine Birnensorte, die in Deutschland bei Generationen von Gartenfreunden höchste Popularität genießt. In den 1920er Jahren war sie eine von nur drei Birnensorten, die zu Reichsobstsorten gewählt wurden. Noch heute gehört die Williams Christ hierzulande zu den meist angebauten Birnensorten. Ihr Name hat einen so vertrauten Klang, dass es kaum noch auffällt, dass er eigentlich englischer Herkunft ist. Dort entstand die Birnensorte Williams Christ in Berkshire und war schon um 1770 bekannt. Den Namen Williams erhielt die Birne nach dem englischen Baumschulbesitzer, der sie verbreitete.

Aussehen und Eigenschaften der Frucht
Die Williams Christ ist eine schmackhafte Tafelbirne mit einem muskatartigen Duft. Sie hat eine durchschnittliche Länge von 84 mm und ist etwa 60 mm breit. Ihr Gewicht beträgt rund 180 g. Die Schale der länglichen, birnenförmigen Frucht ist bei Genussreife hellgelb bis hellgrün gefärbt und vorwiegend glatt. Sonnenseitig können helle Rötungen auftreten. Die Schalenpunkte sind fein und unauffällig. Das zarte Fruchtfleisch der Williams Christ ist weiß, schmelzend und saftig. Sie schmeckt harmonisch süß bis leicht säuerlich.

Aufzucht und Reife
Birnen am AstDie Williams Christ Birne gedeiht am besten auf warmem, nährstoffreichem, durchlässigem und tiefgründigem Boden. Der Baum wächst halb aufrecht und ist reich verzweigt. Optimale Standorte sind windgeschützte Tal- bis mittlere Höhenlagen. Die Birne reift auch in kühleren Regionen. Zur Fruchtholzerneuerung sind ein straffer Aufbauschnitt und gute Pflegeschnitte notwendig. Die reifen Früchte können von Mitte August bis Anfang September geerntet werden.

Krankheitsanfälligkeit
Die Williams Christ Birne ist leicht schorfanfällig. Zudem besteht eine starke Gefährdung durch Obstmaden. Auch für Feuerbrand und Birnblattsauger ist die Williams Christ Birne sehr anfällig. Bei strengem Winterfrost kommt es zur Frostplattenbildung.

Gellerts Butterbirne

Gellerts Butterbirne ist eine sehr alte Birnensorte. Ihr Name hat unter deutschen Gartenfreunden seit mehr als hundert Jahren einen guten Klang. Bereits 1838 gelangte sie in den deutschen Handel und deshalb nach dem deutschen Dichter Christian Fürchtegott Gellert benannt. Ursprünglich stammt die Birne jedoch aus Frankreich, wo sie 1820 erstmalig kultiviert wurde.

Aussehen und Eigenschaften der Frucht
Bei der Gellerts Butterbirne handelt es sich um eine sehr gute Tafelbirne, die bis zu 200 g wiegt. Sie ist bis zu 90 cm lang und etwa 75 cm dick. Die Schale der stumpfkeglig geformten Frucht ist zum Zeitpunkt der Genussreife grünlichgelb und sonnenseits bronzeorangerot. Das gelblichweiße schmelzende Fruchtfleisch hat einen hohen Saftgehalt und ein weinsäuerliches Aroma.

Aufzucht und Reife
Die Gellerts Butterbirne gehört zu den am stärksten wachsenden Birnensorten. Sie bildet meist einen kräftigen und geraden Stamm und eine ausladende Krone aus. Das

Besondere an ihr ist, dass sie ein Alter von 100 Jahren erreichen kann. An warmen und sonnigen Standorten kann sie optimal gedeihen. Der Boden sollte einen hohen Anteil an Kalk und Humos aufweisen. Er muss durchlässig und leicht feucht sein. Die günstigste Pflanzzeit ist der Herbst. Im Mai und August kann der Baum etwas zurückgeschnitten werden. Die Krone lässt sich im Herbst gut auslichten. Die Erntezeit der Früchte ist Mitte September. Krankheitsanfälligkeit - mitunter Blattbräune

Petersbirne

Die Petersbirne ist eine sehr alte Birnensorte, die bereits 1750 das erste Mal in Mode kam. Früher war sie in fast jedem Garten vorhanden. Heute ist es um sie etwas stiller geworden.

Aussehen und Eigenschaften der Frucht
Die meist kegelförmige Frucht besitzt eine gelblich bis rötliche Schale. Die Birne ist klein und zeichnet sich durch einen sehr süßen, leicht zimtigen Geschmack aus. Deshalb trägt sie die Beinamen Honigbirne und Zuckerbirne.

Aufzucht und Reife
Die Petersbirne ist sehr robust und eignet sich deshalb auch für höhere Lagen mit niedrigeren Temperaturen. Sie benötigt jedoch viel Sonne. Der Baum wächst stark aufrecht und wird bis zu 2 Meter hoch. Die beste Pflanzzeit ist der Herbst. Zum optimalen Gedeihen benötigt die Petersbirne frischen Rindenmulch oder Kompost sowie regelmäßige Wassergaben. Der Schnitt kann im Frühling oder im Herbst durchgeführt werden. Früchte können bereits im Juni geerntet werden.

Krankheitsanfälligkeit
  • häufig Gitterrost
  • mitunter Obstmaden 
Gute Luise

Birne junge FruchtDie Gute Luise zählt bis heute zu den am häufigsten angebauten Birnensorten. Sie wurde bereits 1778 in Avranches entdeckt und wird deshalb oft Gute Luise von Avranches genannt.

Aussehen und Eigenschaften der Frucht
Die Frucht der Guten Luise ist

70 bis 90 mm lang und bis zu 200 g schwer. Ihre grünlich-gelbe Schale ist sonnenseitig braun-rot gefärbt. Das saftige, weiße und schmelzende Fruchtfleisch der Tafelbirne zeichnet sich durch ein süß-säuerliches Aroma aus.

Aufzucht und Reife
Die Äste der Guten Luise wachsen schräg bis steil aufrecht stehend am Stamm, weshalb der Baum eine schmale und hohe Krone hat. Er stellt keine hohen Ansprüche an Standort und Klima, weshalb er fast überall angebaut werden kann. Optimal sind jedoch ein warmer Standort und ein kalkhaltiger Boden. Dann sind die Erträge besonders hoch. Die Früchte können ab Mitte September geerntet werden.

Krankheitsanfälligkeit

  • etwas schorfanfällig
  • Holz und Blüten sind frostempfindlich
Clapps Liebling

Die in Deutschland weit verbreitete und sehr beliebte alte Birnensorte Clapps Liebling stammt ursprünglich aus den USA und wurde 1869 erstmalig als Clapps Favorit beschrieben. Ihren heutigen deutschen Namen erhielt sie erst später, nachdem sie zunächst Clapps Lieblingsbirne genannt wurde.

Aussehen und Eigenschaften der Frucht
Clapps Liebling hat mittelgroße bis große Früchte, die doppelkegel- bis birnenförmig sind. Sie können bis zu 96 mm lang und bis zu 72 mm breit werden. Die Farbe der Schale ist gelblich-grün und kann bei sehr reifen Früchten auch hellgelb sein. Sonnenseitig ist die Schale mitunter orangerot gefärbt. Das Fleisch der Birne ist schmelzend bis halbschmelzend und manchmal leicht körnig. Die saftige Frucht hat ein süßsäuerliches Aroma.

Aufzucht und Reife
Der Baum wächst in windgeschützten Lagen und verlangt nahrhaften, nicht allzu
schweren Boden. Ansonsten ist Clapps Liebling nicht sehr anspruchsvoll und eignet sich sowohl für warme als auch für kühlere Temperaturen. Vorteilhaft sind Bodenauflockerung und Düngung. Die Äste müssen häufig ausgelichtet und verjüngt werden. Die Erntezeit ist Mitte bis Ende August.

Krankheitsanfälligkeit
Clapps Liebling ist wenig krankheitsanfällig.

Alexanderbirne

Ernte von BirnenDie Alexanderbirne gehört neben der Guten Luise und der Williams Christ zu den bis heute am häufigsten großflächig angebauten Birnensorten. Die nach ihrem Entdecker Lucas Alexander benannte Birnensorte wurde seit 1874 durch eine Baumschule aus Orléans verbreitet.

Aussehen und Eigenschaften der Frucht
Alexanderbirnen sind groß und wiegen bis zu 250 Gramm. Ihre Länge beträgt im Durchschnitt 85 mm und ihre Breite 75 mm. Die glattschaligen Früchte sind gleichmäßig kelchbauchig geformt, grün gefärbt und hellbraun berostet. In sehr reifem Zustand können sie auch gelb aussehen. Das Fruchtfleisch ist weiß, schmelzend und saftig. Die Birnen schmecken süß und nur sehr wenig säuerlich.

Aufzucht und Reife
Die Alexanderbirne zeichnet sich durch klimatische Robustheit und hohen Erträge aus. Sie stellt keine besonderen Standortansprüche, bevorzugt jedoch Lehmböden. Ältere Bäume haben eine hochgebaute Krone mit überhängenden tragenden Ästen und langen dünnen Zweigen. Aufgrund dieses langen Fruchtholzes benötigt die Alexanderbirne viel Schnittpflege.

Krankheitsanfälligkeit
  • sehr robust
  • verträgt auch raueres Klima
  • widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schädlinge 
Conference

Conference gehört zu den traditionsreichsten und verbreitetsten europäischen Birnensorten. Sie entstand um 1894 in England und wurde dort in der Baumschule von Thomas Francis Rivers gezüchtet.

Aussehen und Eigenschaften der Frucht
Die schlanke, kelchbauchige Frucht ist klein bis mittelgroß mit langem Hals. Sie wächst bis zu 110 mm lang und ist 55 bis 65 mm breit. Die Birne Conference wirkt oft ungleichhälftig, weil sie stielabwärts meist nur einseitig eingezogen ist. Ihre raue grüne bis grüngelbe Schale ist oft mit Rost überzogen. Das feinschmelzende weißgelbe Fruchtfleisch der Conference hat ein süßes und leicht würziges Aroma.

Aufzucht und Reife
Der Baum benötigt einen nährstoffreichen Boden und hat hohe Wärmeanspruche. Er bildet eine aufrecht wachsende, breitpyramidale Krone mit stark verzweigtem Fruchtholz. Deshalb ist eine intensive Schnittpflege notwendig. Unter Umständen kann Conference auf Höhen von bis zu 500 m angebaut werden. Die Früchte sind von Mitte bis Ende September genussreif.

Krankheitsanfälligkeit
  • kaum Schädlingsbefall
  • schorfanfällig
  • bei kalkreichen Böden chloroseanfällig
Bürgermeisterbirne

Die Bürgermeisterbirne war ursprünglich ein Zufallssämling und entstand um 1800 im belgischen Charneux. Deshalb ist sie auch unter dem Namen "Köstliche von Charneux" bekannt. In den 20er Jahren gehörte die Bürgermeisterbirne zu den drei Birnensorten, die zu den Reichsobstsorten gewählt wurden.

Aussehen und Eigenschaften der Frucht
Die Früchte der Bürgermeisterbirne werden bei einem Durchmesser von etwa 60 mm bis zu 10 cm groß. Ihre gelbe bis leicht grün schimmernde Schale weist zahlreiche Punkte auf und kann sonnenseitig etwas gerötet sein. Das feine Fruchtfleisch ist weiß bis weißgelb und hat einen süßsauren Geschmack.

Aufzucht und Reife
Die Bürgermeisterbirne kann das ganze Jahr über gepflanzt werden. Der beste Zeitpunkt ist jedoch der Herbst, da sich dann der Baum vor Kälteeinbruch gut anwurzeln kann. In der ersten Zeit nach dem Pflanzen muss der Baum gut bewässert werden. Günstig ist ein sonniger bis halbschattiger Standort. Der Boden sollte leicht alkalisch sein und reich an Nährstoffen, Humos und Kalk. Der Rückschnitt kann im Frühjahr erfolgen, sodass der Baum bis in den Sommer hinein wieder ausschlagen kann. Die Ernte erfolgt Ende September bis Mitte Oktober.

Krankheitsanfälligkeit
Boscs Flaschenbirne

Die Boscs Flaschenbirne ist eine alte Birnensorte mit umstrittener Herkunft. Sie könnte entweder von Professor van Mons um 1807 in Belgien gezüchtet worden sein oder sie wurde 1793 als Zufallssämling bei Apremont gefunden. Benannt wurde die Birne nach Louis Augustin Guillaume Bosc. In den 1920er Jahren war die Boscs Flaschenbirne eine von drei Birnensorten, die zur Reichsobstsorte gewählt wurden.

Aussehen und Eigenschaften der Frucht
Die Frucht wächst bei einem Durchmesser von bis zu 70 mm bis zu 110 mm lang. Die raue Schale der flaschenförmigen Birne ist grüngelb gefärbt und vollständig berostet. Das feine gelbliche und saftige Fruchtfleisch hat ein mildes süßsaures Aroma.

Aufzucht und Reife
Der Baum benötigt einen warmen Standort. Regelmäßiges Mulchen fördert ein gesundes Wachstum. Seine breite pyramidale Krone hat waagerecht Seitentriebe und aufrechte Leittriebe. Die Früchte können von Mitte bis Ende September geerntet werden.

Krankheitsanfälligkeit
Birnengitterrost

Champagner Bratbirne

Bratbirnen waren bereits vor 1500 bekannt. Die Champagner Bratbirne ist vermutlich bei Stuttgart entstanden. 1797 wurde sie erstmalig beschrieben.

Aussehen und Eigenschaften der Frucht
Die bergamottförmige gelbgrüne Frucht ist mittelgroß. Ihre glatte Schale zeigt wenig Berostung. Das Besondere an der Birne ist ihr Gerbstoffgehalt. Sie schmeckt feinherb, weinig und würzig. Zehn Tage nach der Ernte beginnt die Furcht teigig zu werden.

Aufzucht und Reife

Die Champagner Bratbirne benötigt einen nährstoffreichen Boden und kann in Höhenlagen zwischen 300 und 450 m kultiviert werden. Die Krone des Birnbaums ist mittelgroß, breitoval und kugelig. Das hängende und nestartig angeordnete Fruchtholz muss regelmäßig beschnitten werden.

Krankheitsanfälligkeit
  • mittlere Feuerbrandanfälligkeit
  • schneller Birnenverfall (Viruskrankheit)
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Tipps für Schnellleser
Beliebte und alte Birnensorten

- Die meisten alten Birnensorten, werden heute noch bevorzugt angebaut, weil sie sehr gute Tafel- und Wirtschaftsbirnen sind. 
- Dazu zählen Williams Christ, Gute Luise und Alexander Lucas. 
- Sie wurden vor Jahrhunderten selektioniert und wachsen in allen mitteleuropäischen Regionen.
- Seit 1750 entstanden in Europa viele neue und schmackhafte Birnensorten.
- Sie eignen sich meist ohne Kochen und Braten zum sofortigen Verzehr.
- Auf nahrhaftem Boden und an sonnigen Standorten wachsen die Früchte groß und zahlreich.
- Zur Abwehr von Obstmaden empfiehlt es sich, Fanggürtel um den Stamm zu legen.
- Sonnenseitig weisen viele der Früchte rötliche Färbungen auf.
- Das darunter liegende Fruchtfleisch ist besonders süß und saftig.
- Wegen ihrer hohen Erträge kommen traditionelle Birnensorten auch für den erwerbsmäßigen Anbau auf Plantagen infrage.
- Alte Birnensorten besitzen oft hochwertige Gerbstoffe, die manchen neuen Birnensorten fehlen.
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